 anständig sei. Joggeli
dachte, wenn er sehe, dass es Uli zu gut gehe oder zu schlecht, so könne er zu
rechter Zeit das Heft wieder zur Hand nehmen. Uli dachte, wenn es ihm übel gehe,
er sein Auskommen nicht hätte, könnte er das Joch abschütteln, ehe er ganz
zugrunde gerichtet sei.
    Nun ward Joggeli von seinen beiden Kindern gerupft, viel ärger als eine Gans
von ihrer Meisterfrau. Eine Frau rupft ihre Gans doch selten mehr als zweimal im
Jahre, wartet, bis Flaum und Federn einigermaßen nachgewachsen sind. Der arme
Joggeli konnte kaum zählen, wie oft des Jahres an ihm gerupft wurde. Man rupfte
und fragte nicht, wie groß Flaum und Federn seien, wenn sich nur irgend was
rupfen ließ. In einem so gerupften Menschen entsteht der Trieb, den Schaden
einzuholen und wieder zu rupfen. Wenn einer einen Verlust erleidet, sei es im
Handel, im Spiel oder durch Nachlässigkeit irgendwie, so entstehen
augenblicklich Gedanken, wie die Lücke auszufüllen sei, an wem man sich wieder
er, holen könne. Da wird die Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit verdammt in
Versuchung geführt. Solange es einem gut geht, da ist ehrlich sein leicht, aber
wenn das Glück; umschlägt, wird der Teufel los. Dass der baumwollene Tochtermann
beständig auf den Pachtakkord schimpfte, Joggeli vorwarf, wenn er gehörig aus
seinem Gute zöge, hätte er auch mehr und bessere Federn, versteht sich von
selbst. Nun war Joggeli dieser Punkt im Vertrage beigefallen. Er dachte, der
ließe sich wohl zur Rupfmaschine machen, aber von diesen Gedanken sagte er
seiner Frau wohlweislich nichts. Joggeli hatte auch ein Gewissen, aber es
merkwürdigerweise nicht auf Gott, sondern auf seine Frau gestellt. Bei allen
Kniffen und Schelmereien, welche ihm beifielen, schämte er sich nie vor Gott,
sondern er sagte: »Musst machen, dass sie es nicht merkt; vernimmt sie es, muss ich
wieder der wüsteste Hund, der größte Unflat sein,« oder: »Ja, wenn die nicht
wäre, da ließe sich was machen, dem wollte ich es zeigen; aber wenn sie es
vernehmen würde, weiß der Teufel, wie die täte, ich wäre niemals sicher. Es wird
doch besser sein, ich lasse es unterwegs.« Joggeli wird nicht der einzige Mann
sein, der ein also gestelltes Gewissen hat, und wir denken, Gott wird nichts
darwider haben, sondern hat eben deswegen einem solchen Züttel von Manne eine
solche Frau geordnet.
    Er begann bei Uli sachte anzuklopfen, wie sie es mit einander hätten, er
werde es wissen, dass es jetzt Zeit sei, zu oder abzusagen; wie er willens sei?
Uli hatte allerdings diesen Punkt vergessen, und weil er ihm
