, der Mann müsste denn gar ein Unflat sein. Aber wenn
die Frau es zu gut gibt, schlechter geben soll, als es sich mit ihrem Gewissen
verträgt, weil sie denkt, Dienstboten seien doch eigentlich, genau genommen,
keine Hunde, wenn sie zehn und mehr Jahre gekocht mit Verstand und zur
Zufriedenheit, und auf einmal ists nicht mehr recht, sie sollte es mit dem
Halben machen und hat doch gleich viel Mäuler zu sättigen oder noch mehr (denn
je schlechtere Arbeiter man hat, desto mehr muss man ihrer haben, und schlechte
Arbeiter essen zumeist mehr als gute), dann ists böse, denn es ist nichts böser,
als wenn man mit Bewusstsein und wider Willen unverständig handeln soll. Es ist
wohl nichts dümmer auf der Welt, als wenn man zu schlecht zu essen gibt und es
besser geben könnte. Es ist dumm und schlecht, wenn man es der eigenen Familie
zu schlecht gibt, da wachsen keine Kräfte nach, die Kinder müssen es oft büßen
lebenslang, hat ähnliche Folgen, wie wenn man das Land, den Boden ermagern lässt.
Es ist aber noch viel dümmer, wenn man fremde Leute zu schlecht hält; erstlich
wird man tapfer verbrüllet, und zweitens stehlen sie wieder an der Arbeit ab,
was man ihnen am Essen abstiehlt, das fehlt nicht. Das Sprüchwort »Eine Hand
wäscht die andere« erwahrt sich wohl nirgends unfehlbarer als hier.
    Es ist sonderbar, wie Menschen in einfachen Dingen so wunderliche Augen oder
Gedanken haben können. Uli wollte es nicht schlecht geben, aber minder gut. Ihm
möge es eine große Summe bringen im Jahr, die Andern merkten es nicht oder
hätten jedenfalls nicht weniger, meinte er. Der gute Uli hatte vergessen, wie
feine Nasen die dümmsten Dienstboten in dieser Beziehung haben und wie hoch sie
den geringsten Abbruch anschlagen, er dachte jetzt so wenig daran als früher an
der Ernte, denn es sind gar viele Leute, welche meinen, sie alleine hätten ein
Hirn zum Merken und eine Nase zum Riechen.
    Vreneli war übel daran. Diese Zumutungen alle waren nicht in einem Tage zu
übersehn, sondern sie wurden alle Tage neu, sollten die Regel für das Tägliche
werden, und Vreneli konnte sie wirklich nicht erfüllen, wenn es des Hauses
Bestes im Auge hatte, konnte nicht denken: Meinetalben, wenn er es so haben
will, so habe er es, es ist seine Sache. Es redete mit der Base. Die Base riet,
leise zu tun, nicht viel zu widerreden, und wenn es geredet sein müsste, ohne
Hitz, mit Liebe. »Vorschreiben wird er dir nicht, wieviel Butter oder Schmalz du
ins Gemüse tun sollst und wieviel Kaffeepulver in die Kanne, wird dir weder
