, aber sie verlästerten es desto jämmerlicher hinterwärts. Da
sie nichts Böses wussten, ersannen sie um so Greulicheres; namentlich machten sie
geltend, wie sie den Hof fast um nichts hätten, den Kindern das Brot von dem
Munde wegstöhlen; da sei es kein Wunder, wenn sie auch gegen die Armen wären wie
Türken und Heiden. Schlecht sei schlecht und schlechte Leute habe es immer
gegeben, aber Leute wie die, ohne Religion, seien doch noch nie erlebt oder
erhört worden. Das alles tat Vreneli sehr weh, denn begreiflich wurden ihm alle
diese Reden wieder hinterbracht und wahrscheinlich von denen selbst, welche sie
gehalten, nur dass sie dieselben dann Andern in den Mund legten. Doch sagte es
davon Uli nichts, es verarbeitete das in seinem eigenen tüchtigen Sinn. Es
dachte, Klagen trage nicht viel ab, warum ein zweites Herz betrüben, wenn man
imstande sei, es alleine zu verwinden; Hilfe leisten könne ihm Uli nicht, und
alle Armen diese Wehtat entgelten lassen wollte es nicht. Uli war wenig zu Hause
und hatte den Kopf so voll von Geschäften und Gedanken, dass er gar keine Augen
für diese Dinge hatte. Er war es gewohnt, Leute an den Türen zu sehen oder bei
Vreneli in der Küche, achtete sich derselben nicht, frug nicht, was sie wollten,
dachte gar nicht daran, dass es jetzt über ihn ausging und um seine Sache, ließ
Vreneli also ganz gewähren nach seinem Belieben.
    Der Heuet war vorbeigeflogen wie gewünscht, die Kirschen mit den Sperlingen
im Frieden geteilt worden und die Ernte vor der Türe, ehe man sich dessen
versah.
    Die Ernte ist dem Landmann eine wichtige Zeit, eine heilige Zeit, von ihrem
Ertrage hängt sein Bestehen ab oder wenigstens sein Wohlergehen. Er erkennt
dieses auch an, und als Zeichen dieser Erkenntnis richtet er am Schluße
derselben eine Art von Opfermahlzeit aus, er speiset Arme, speiset und tränket
Knechte, Mägde, Tagelöhner, deren Weiber und Kinder und den Fremdling, der da
wohnet innerhalb seiner Tore. Solche Mahlzeiten bilden die Glanzpunkte in dem
Leben so Vieler; würden sie aufhören, wäre es über dem Leben gar Vieler, als
wenn alle Sterne erlöschen würden am Himmel. Es ist traurig, wenn über einem
Leben keine andern Sterne stehen als Mahlzeiten, aber es ist dumm, wenn man
ihnen Wert, Bedeutsamkeit absprechen will.
    Die Ernte war prächtig, das Wetter schön, der Acker reich. Uli war
glücklich, Joggeli knurrte. Er schrieb des Ackers Fülle Uli zu, der im Herbste
dichter gesäet, besser hätte arbeiten lassen und im Frühjahr stark gewalzt.
Einen solchen Acker voll Korn habe er sein Lebtag nie gehabt. Dicht wie die
Haare einer Bürste stünden die Halme, und doch
