
Instinkt, welcher nicht sowohl angeboren als von Jugend auf angewöhnt wird, eben
wenn man von Jugend auf bei einer Sache ist. Es warf natürlich sein Auge auf den
Melker, Mädi, seine Adjutantin, unterstützte es getreulich, aber sie konnten
nichts erkunden. Der Melker war eine bequeme Natur, machte nicht mehr, als er
müsste, und tat so liederlich er durfte, ohne ausgescholten zu werden. Aber er
war nicht undienstfertig, brauchte gute Worte, kurz er hatte etwas, welches
namentlich dem Weibervolk gar nicht unangenehm ist. Er war oft nachts nicht da,
heim, doch am Morgen zumeist zu rechter Zeit da, so dass weiter nicht viel gesagt
werden konnte. Man musste es als eine Unart betrachten, welche leider noch Viele
haben. Da der Melker unschuldig schien, die Hühner aber wie verhexet, begann
Vreneli Verdacht auf Marder oder auf Katzen, welche zuweilen auch Eierliebhaber
sind, zu werfen, obschon man keine Schalen fand. Es war stark die Rede von
Beizen, Fallenstellen usw. Da solche Maßregeln zumeist lange in Rede stehen, ehe
sie zur Ausführung kommen, werden sie oft durch etwas Unvorhergesehenes ganz
überflüssig gemacht.
    Wie gewohnt, kam einmal die Eierfrau und hätte gerne eine mächtige Ladung
Eier gekauft für einen Bäcker, welche; das Backwerk zu einer großen Hochzeit zu
liefern hatte. Vreneli konnte wenige geben und klagte seine Not. Wenn es an
Hexen glaubte und eine in der Nähe wüsste, so müsste es jetzt glauben, dass man es
den Hühnern antun und das Legen verhalten könnte. Da meinte die Eierfrau:
Vielleicht dass sie ihm über den Marder, welcher seine Eier fresse, kommen könne,
oder über die Hexe, welche das Legen verhalte. Sie hätte einen Ton gehört, wenn
was dran sei, so würde der Marder sich bald finden. Vielleicht dass sie ihm schon
das nächste Mal Bericht geben könne. Mehreres wollte sie durchaus nicht sagen.
Gar lange ging es nicht, so kam sie wider und zwar mit einem Gesicht, welchem
man es von ferne ansah, hinter dem stecke eine wichtige Botschaft. »Hör« sagte
sie zu Vreneli, »ich kann dir drauf helfen, aber bei Leib und Leben verrat mich
nicht.« Nachdem das Versprechen in bestmöglicher Form abgelegt war, rückte sie
aus: Drüben im Mühlengraben stehe ein Häuschen am Walde, man könne dazu und
davon, es sehe es kaum ein Mensch. Dort sei nach dem Neujahr ein Mensch
eingezogen, angeblich eine Wollenspinnerin, aber sie sei die meiste Zeit daheim,
mit Arbeit viel verdienen werde sie nicht. Doch lebe sie gut. Es rieche manchmal
so gut ums Häuschen, als ob Engländer da wohnten mit einem vornehmen Koch.
Pfannkuchen, Eierbrot und dergleichen könne man
