« Beiläufig gesagt war an der ganzen Geschichte nicht ein wahres Wort.
Jedenfalls war der Wein nicht aus Frankreich, sondern aus dem Waadtlande, wo man
auch Champagner fabriziert, aber Champagner, der so schwer im Kopfe liegt wie
dreijähriges Sauerkraut im Magen. Nun aber war es gar schön, wie der Wirt mit
der Flasche umging, mit welchem schmunzelnden Behagen er zeigte, wie die
zugemacht sei. Und dann werden sie noch was hören, sagte er. Bedenklich ward
sein Gesicht, als der Pfropf gelöst, es ans Knallen gehen sollte, aber es lange
zweifelhaft blieb, ob es wirklich knallen werde oder ob es nur eine der vielen
Waadtländer Flaschen sei, welche ein Gesicht machen, als ob sie knallen konnten,
und am Ende doch nicht knallen. Doch endlich sprang der Pfropf, es knallte
wirklich, ja, und mit glücklichem Gesichte sah der Wirt rundum, stillschweigend
fragend: »Habt ihr je so was gehört?« Und mit großem Behagen führte er sich alle
Verwunderung zu Gemüte, welche er auf den Gesichtern sammelte, und prägte sie
tief in sein Gedächtnis, um gelegentlich sie hervorzunehmen und zu zeigen, wie
die Verwunderung aussehe, welche man einmal in einem Bauernhause gemacht, als er
Champagner habe springen lassen.
    Das nun schmerzte Vreneli sehr, dass man am Tauftag seines armen Bubli solch
köstlichen Wein trinke, zwei Gulden die Flasche, von dem man sagte, dass ihn der
König von Frankreich nicht einmal so trinke. Das arme Kind vermöge sich dessen
nichts, und doch werde es diesen gottlosen Aufwand mitbüssen müssen, denn Hochmut
komme vor dem Falle. Sie hätten kein Vermögen, die Andern nicht viel mehr, und
da könne man doch denken, ob das gut kommen könne, wenn solche Leute solchen
Wein trinken wollten, wo sie ja nicht einmal den Verstand hätten, zu wissen, ob
er gut sei oder nicht. »Wenn bei Leuten, wie wir sind, solch Aufwand getrieben
wird, was sollen erst die Leute anfangen, welche tausendmal reicher als wir
sind? Einer, der mit solchem Weine kommt, dem fehlt es entweder im Kopf oder es
weiß der Teufel, was er im Sinn hat, allweg nichts Gutes, und wir können den
verfluchten Wein vielleicht einmal noch ganz anders bezahlen als zu zwei Gulden
die Flasche.« Es fand auch den Wein bitter, ganz abscheulich, während die Andern
ihn nicht genug rühmen, freilich heimlicher unwillkürlicher Grimassen sich nicht
enthalten konnten. Es ist allenthalben Sitte, gut zu finden, was kostbar ist,
und schlecht, was wohlfeil ist und was man alle Tage haben kann. Darum sind so
schrecklich viele Leute so schrecklich unglücklich, dieweil sie so schrecklich
dumm sind, dass sie meinen, sie müssten auch
