 Keiner
geben was ich, ich habe den Absatz und Leute an der Hand, welche zahlen, welche
um eines Kreuzers willen nicht reden, bis sie Löcher in die Zunge kriegen,
reiche Leute, und wenn sie schon nicht auf den Tag zahlen, von wegen sie sind in
gar vielen Dingen, so kommt es dann zusammen, da gibt es Haufen Geld; du magst
mir es glauben oder nicht, mein Rösslein hat mich manchmal übel erbarmet, wenn es
heimziehen musste.« Nebenbei war er auch den meisten Weibern lieb. Er kannte das
Handwerk des Flattierens aus dem Grunde und wusste ihnen so zärtlich in die Augen
zu gucken, dass sie die Fuße nicht mehr stillehalten konnten unterm Tische. Ihn
vorzüglich hasste Vreneli. »Du wirst dich mit ihm abgeben, bis du einen Schuh
voll herausnimmst,« sagte es oft zu Uli.
    Den Müller hasste Vreneli etwas weniger, doch immer noch genug, um ihn nicht
zum Götti zu wollen. Er hing sich auch an Uli, war alle Augenblicke da, war
nicht ganz mit Honig bestrichen, doch wusste er sich auch zu rühmen und zu
ködern, dass Uli ihn für einen trefflichen Freund hielt. Bald holte ihn der
Müller, um ein Pferd zu besehen, bald sollte er ihm eine Kuh kaufen helfen: das
kenne niemand wie Uli, bald holte er einige Malter Getreide und sagte, er müsse
es haben, er solle für diesen oder jenen Bäcker besonders schönes Mehl haben,
und Korn wie bei Uli fände er nirgends, er wolle es ihm dann aber auch danach
bezahlen, sobald sie mit einander rechneten. Das wusste er immer ganz
vortrefflich zu karten, dass sie mit einander in Rechnung blieben, von welcher
Rechnung er beständig auch sprach, sehr selten aber sie zum Abschluss machte,
sondern immer so, dass etwas auf neue Rechnung blieb. Es ist wirklich auch nichts
Bequemeres im Handel, als wenn man immer sagen kann: »Ich zahle dir das jetzt
nicht, es geht zum Andern; behalte alles gut in Rechnung, die Sache wird sich
dann schon finden.«
    Wenn Vreneli Seufzer über solche Rechnungen außstieß, so sagte Uli: »Sieh,
dies verstehst du nicht, die Sache findet sich, und was brauche ich einstweilen
Geld Es ist mir sicherer dort, als wenn ich es daheim hätte, ich begreife gar
nicht, was du wider die Männer hast, und weißt doch, wie kommod sie uns kommen
und wie da nie Nein ist, man mag wollen was man will. Gehe ich zum Wirt, so
bringe ich das beste Fleisch, Wein, wie er sagt, wie man ihn sonst nirgends
findet, nimmts mit Gewicht und Maß nicht spitz, meint nicht, dass ich jeden
