 es wolle sich gewiss und wahrhaftig bessern. Die weichen
Meisterherzen ließ sich bewegen, dachten, es wäre doch wirklich hart, das
Mensch unglücklich zu machen, ihm sein Lebtag mir ein paar Buchstaben so schwer
zu schaden, und bedecken die Menge der Sünden mit dem Mantel der Liebe. Und das
Mensch geht triumphierend mit dem schönen Zeugnis ins neue Jahr hinein, treibt
sein wüstes Wesen fort, denkt, mit einer Stunde Heulens erpresse es zuletzt doch
wiederum ein gut Zeugnis, und eine Stunde zu heulen gehe ihm doch allweg viel
leichter, als ein ganzes langes Jahr hindurch gut zu tun. Es lebt sein schlecht
Leben wohlgemut und trotzig fort, verschanzt sich keck hinter seine guten
Zeugnisse, macht die Schanze alle Jahre um ein Zeugnis stärker und höher. Sagt
ihm eine Meisterfrau was, so brüllt es ihr ins Gesicht, wie manch gut Zeugnis es
habe, wie es allenthalben wohl angewesen, es allen habe treffen können, nur ihr
alleine nicht! Aber man kenne sie wohl, sie sei bekannt von Spandau bis
Magdeburg, und wenn ein Engel vom Himmel käme, keine Stunde könnte er es ihr
recht machen! Die Meisterfrau gibt wiederum ein prächtig Zeugnis, sie denkt, sie
wolle doch nicht allein die Böse sein; hätten die Andern die schönen Worte über
das Gewissen gebracht, so werden sie ihr das ihrige auch nicht abdrücken; besser
sei es, sie bringe das Mensch im Frieden fort als unter Donner und Blitz, der
ihr zündend in Galle oder Nerven fahre, oder dass sie gar noch mit ihm vor den
Richter müsse. Das Mensch aber hebt triumphierend das Stück Papier empor und
sagt: »Es kommt Euch wohl, dass Ihr Verstand gebraucht und mir ein Zeugnis
gegeben, wie ich es verdient und mit den andern Zeugnissen beweisen kann. Das
waren brave Leute, welche sie ausgestellt, es wäre wohl gut, es würde keine
schlimmern geben. Es kommt Euch wohl, sonst hätte ich es probieren wollen, ob
noch Gerechtigkeit sei auf der Welt, es gibt Gottlob noch Richter, welche
wissen, was Recht ist.« Das Mensch wusste wohl, worauf es pochte, denn es gibt
wirklich viele Richter, welche aus Grundsätzen der Humanität allen Mägden recht
geben gegen ihre Meisterleute, und es gibt Richter, welche ganz besondere
Vorliebe zu schlechten Menschern haben und streng an den christlichen Grundsatz,
wie sie sagen, sich halten: Wer viel liebt, dem wird viel vergeben werden. So
kommt das Mensch denn endlich dahin, dass es sich selbst für ein Tugendmuster
hält, denn es hat es ja schriftlich und mehr als ein dutzendmal, und wenn es
endlich in Laster und Not untergeht, so schreit es über die schlechte Welt, und
wenn es so schlecht hätte
