 sie; es glaubten es die Dienstboten gerne, weil er
einer war, der sich über sie er, heben wollte, und weil es alle gerne glaubten,
so glaubten sie es um so fester.
    So war der Zudrang zu Ulis Dienst nicht halb so groß, als er gedacht. Die
Besten kamen nicht, weil er nur Pächter war. Man sage, was man will, im Grunde
des Herzens sind alle Menschen Aristokraten, denn so hat sie unser Herrgott
geschaffen. Bei einem Bauer dient der Knecht, der sich für einen Pächter zu gut
glaubt, bei einer Herrschaft eine Magd, welche für ihr Leben nicht eine
Bauernmagd gewesen wäre, und wenn ein Dienstbote sich was Gutes zu Gemüte führen
oder sich recht rühmen will, so sagt er: Er habe in lauter vor, nehmen Häusern
gedient, nur so zu gemeinen Bürgersleuten hätte man ihn mit keiner Gewalt
gebracht. Die Zweitbesten schreckte der böse Ruf ab. Man sage, ein Jahr sei bald
um, meinten sie, aber wenn man es in der Hölle zubringen müsse, so strecke es
sich, dass man verzweifeln müsse, das Ende zu erleben; einmal hätten sie es schon
erfahren, probierten es ferner nicht.
    Bloß unter den Drittbesten hatte Uli auszulesen. Ja, da ists schwer auslesen
und was Gutes treffen! Diese Drittbesten zerfallen zumeist in zwei Abteilungen:
die erste besteht aus angehendem Volke, undisziplinierter Miliz; zu vergessen
ist dabei nicht, dass die besten Angehenden nicht unter diese Klasse gehören. Die
besten machen ungefähr den Kurs durch, den Uli machte. Die zweite Abteilung der
dritten Klasse wird aus denen geschaffen, welche was Unrichtiges haben, daher in
nächster Nähe nicht Dienst finden, sondern ihr Heil weiter suchen müssen. Sie
kennen mehr oder weniger den Dienst, wissen sich als Gediente darzustellen,
haben aber was an sich, welches nicht jedermann liebt: die Einen haben zu lange
Finger, Andere zu weiten Schluck, zu langen Durst, Andere zu langsame Beine,
Andere ein zu geläufig Maul, Andere zu heißen Zorn, Andere zu heiße Liebe, kurz
was, welches nicht passt und namentlich für einen Meister sehr unbequem ist. Das
Ding, welches nicht jedermanns Sache ist, ist in der Nähe bekannt geworden, sie
müssen daher ihre Platze in der Ferne suchen, wohin ihr Ruf noch nicht gedrungen
ist, müssen vorlieb nehmen mit allem, was sie finden. Solche unbeliebige
Eigentümlichkeiten sollten von Rechtswegen in Zeugnissen bemerkt oder wenigstens
angedeutet sein, denn wofür hat man eigentlich Zeugnisse? Aber gerade hier ist
ein fauler Fleck im ganzen Verhältnis, und eine Meisterschaft schmiert die
andere auf das schmählichste an.
    Ein solches Zeugnis soll enthalten den Ausdruck der Zufriedenheit oder
Unzufriedenheit mit einem Dienstboten; die Gründe von beiden
