 nicht böse, aber sie hat keinen Begriff von diesen Verhältnissen, darum
tölpelt sie darin so schrecklich herum. Es ist merkwürdig, wie dumm die Leute
sind, besonders die Gebildeten. Da lassen sie zum Beispiel ihre Töchter bilden,
mit großer Not und Geld, im Ausland und im Inland, in Klöstern und Pensionen,
mit Gouvernanten und Tanzmeistern, damit der Tölpel abgeschliffen werde, damit
sie sich in gebildeter Gesellschaft, in Salons und auf Dampfschiffen ohne
Anstoß, aber mit Anstand leicht und angenehm bewegen könnten. Denn, wohl
gemerkt, dies müsse gelernt sein, sagen sie, und eingeübt, von selbst gebe das
sich nicht; so viel Verstand haben sie und richten ihre Töchter zum einfachen
Teeservieren zum Beispiel monatelang ab. Aber so viel Verstand haben sie nicht,
zu begreifen, dass man auch das Bewegen nach unten, in Gesindestube und Küche,
erlernen und einüben muss, dass man da mit Anstand und taktfest sich bewegen
lerne, nicht tölpelhaft werde und verhöhnt von Spandau bis Magdeburg. Man glaube
es doch nur, es kommt unendlich mehr Elend ins Haus, ins Gemüt, ins tägliche
Leben, wenn die Herrschaft, namentlich die Frau, taktlos und tölpelhaft in der
Küche und unter dem Gesinde hantiert, als wenn sie linkisch im Salon tut und
eben nicht graziös sich zu beugen und zu neigen weiß. Ach Gott, wie manches
gute, liebe Frauchen sah dies nach Jahren, nachdem sie unsäglichen Jammer
ausgestanden, ein Elend geschluckt hatte, ein zehnmal größeres als Napoleon im
Feldzug von Russland, endlich ein, lernte, was sie versäumt hatte, suchte gut zu
machen, den Ruf zu verbessern, aber wie lange versuchte sie dies umsonst! Ein
guter Name geht in Augenblicken verloren, ein schlechter wird in Jahren nicht zu
einem guten. Ist bei einer Herrschaft, welche nicht im guten Geruch steht, eine
Stelle leer, so melden sich diejenigen nicht, welche etwas auf ihrem Rufe
halten. Ein guter Knecht hält sich für hundertmal mehr als ein schlechter
Meister und es tief unter seiner Würde, bei ihm sich zu melden, er findet
überall sein Fortkommen. Es meldet sich also lauter mittelmäßig oder schlecht
Zeug, und auch dieses tritt mit vorgefasster Meinung ein. »Da mache nur, was du
willst, und lass dich nicht kujonieren; da bleibst doch nicht lang, da ist noch
Keins lange geblieben,« heißt es in allen Ecken. Ja, so ein Mägdlein würde es
für eine eigentliche Schmach halten, wenn es länger bliebe als die Andern, und
was es während der kurzen Zeit der Madame zu schlucken gibt und für Ärger macht,
wer spricht es aus, wer schreibt es nach! Und dies alles rühmt es als
Heldentaten beim Brunnen, beim Bäcker
