
zusah, bekam bald Lust, auch einmal die Karte zur Hand zu nehmen und sein Heil
zu versuchen. Und hatte nun einmal die Hand nach den Karten gegriffen, so gab
sie die neue Bekanntschaft sobald nicht wieder auf. Wer verlor, spielte fort, um
endlich das Verlorene zurückzugewinnen, und wer gewann, spielte fort, weil es
doch eine schöne Sache war, so sein Geld zu mehren. dabei trank man sich noch
Mut und desto mehr, je länger man blieb. So mehrten sich wieder die Zänkereien
und Schlägereien unter den Fabrikarbeitern - dies schien den Herrn
Fabrikbesitzern und Factoren gleichgültig zu sein - vielleicht hatten sie auch
noch den beliebten jesuitischen Grundsatz: divide et impera.
    Wilhelm lehnte mit August und ein paar Andern in einer Ecke.
    August warnte wieder: »Ich bitte Euch nur vor allen Dingen, seid gegen Anton
auf Eurer Hut! - Was hat er denn ewig, wenn's Dunkel wird, nach Hohenheim zu
schleichen, wenn dahinter nicht eine Schufterei steckt?
    »Ach was, er wird dort einen Schatz haben -« versetzte einer der Arbeiter.
    »Das braucht er nicht vor uns geheim zu halten - einen Schatz hat Jeder -«
sagte ein Anderer.
    Wilhelm meinte ruhig: »Er denkt aber gerade wie wir, dass er den Franz nicht
mehr leiden kann, und sagt, wir sollten uns vor dem in Acht nehmen - nun wer
weiß, ob er darin Unrecht hat.«
    »Denkt wie wir,« eiferte August, »ei ja doch, spricht wie wir! Woher weißt
Du denn seine Gedanken? Ein gutes Maul hat er immer gehabt. Und wenn er nun
vollends den Franz verlästern will, da soll er mir nur kommen! Als ob es einen
bravern Burschen gebe!«
    »Nun ja, ein guter Junge war er,« rief Wilhelm, »das hab' ich wohl am Besten
gewusst - den letzten Heller hat er oft hergegeben, wenn er damit helfen konnte -
aber jetzt ist er eigensinnig verstockt geworden und will mit offenen Augen nicht
sehen - mir hat er neulich geradezu erklärt: nun sei er mein Gegner.«
    »Das ist ehrlich und daran erkennt man den Franz - Anton würde das im Leben
nicht sagen. Am Ende bleibt doch Franz besser als wir Alle, wenn er gleich jetzt
mit uns nicht fort will - seine Tugend lehrt ihn die Not ertragen - wir haben
keine Tugend, darum müssen wir es freilich umkehren und aus der Not eine Tugend
machen. Franz mag uns widersprechen, verraten wird er uns nie! Anton
wiederspricht nicht und wird uns verraten! Seht, ich weiß gewiss, dass er in
Hohenheim ein Mal bei demselben Schuft gewesen ist, der den Fabrikherrn wider
uns
