. Ich kann sagen, mir wird wohl
manchmal Angst, wenn die lange Liese so flucht und dazwischen lacht und
schluchzt, dass sich's greulich mit anhört - denn da weiß sie nicht mehr, was sie
spricht, und versündigt sich gar gegen den lieben Gott im Himmel droben. Aber
wahr ist's, schlecht hat sie's gehabt ihr Leben lang - ich und mein Mann, wir
sind Beide gesund, und der Junge ist's auch, nun da mag's schon sein, wenn man
auch wenig verdient, wenn man nur arbeiten kann und gesund ist, da ist unser
eins schon zufrieden - aber wie ist nun die lange Liese selber elend geworden
und wie sahen die Kinder jammervoll aus, die sie mit in die Fabrik schleppt -
halten's einmal nicht aus und muss doch froh sein, wenn sie nur arbeiten dürfen.
Wenn Sie mir's nur gesagt hätten, wie die Kinder starben, ich hätte vielleicht
Etwas tun können.«
    »Ja, ich unterstand mir's nicht und dem Franz sagt' ich's ein Mal, weil der
Sie doch heimgeführt hatte - aber er schüttelte den Kopf und sagte: ich gehe
nicht wieder hin, geht lieber selbst - und sehen Sie, da dacht' ich in meinen
Gedanken: wenn's der Franz nicht mehr wagt, da wag' ich's auch nicht.«
    »Franz sagte: er wage nicht mehr zu mir zu gehen?« sagte Pauline mit dem
Tone ungläubiger Verwunderung.
    »Nun ja, er sagte wenigstens: ich gehe nicht wieder hin.«
    »Er gehe nicht wieder zu mir?«
    »Nun ja, es ist, als ob Sie Sich darüber verwunderten - ich dachte seiner
Rede nach, Sie hätten es ihm verboten, oder gesagt, dass er zu oft käme.«
    »Niemals, niemals! Sehen Sie Franz zuweilen?«
    »Selten, doch trifft es manchmal, dass er mit meinem Manne zusammengeht, denn
der hält große Stücke auf ihn.«
    »Nun dann sagen Sie ihm, dass ich es seltsam fände, dass er mir sein Wort
nicht mehr hielte - er wird schon wissen, was ich meine.«
    »Schon gut - aber da steh' ich hier so lange und schwatze und wollte heute
Abend noch Manches arbeiten.«
    »Damit Ihr nicht umsonst hie geblieben seid, so wartet noch einen
Augenblick,« sagte Pauline und ging in das Haus.
    Nach einer Weile kam Friederike mit einem Korb Esswaaren heraus, welchen sie
der Marta übergab. »Etwas davon mögt Ihr der langen Liese geben.«
    »Das Mamsellchen ist gar gut,« rief Marta, »ich hab' es
