 ich allein den Anton kenne -« murmelte August.
    »Lass' das alte Lied!« meinte Wilhelm. »Und wenn nun auch - Gefahr hat's ja
doch nicht, sind wir denn etwa auf unrechten Wegen, dass wir Verräter zu
fürchten hätten? Ist denn unser Verein eine geheime und gefährliche Verbindung?
Weiß nicht Jedermann darum? Und hat denn nur Herr Felchner das Geringste dagegen
einwenden mögen und können? Und ich dächte doch, weiter ginge die Sache
Niemandem Etwas an.«
    »Aber Franz hat wieder ein Buch geschrieben: Die Rechte des Armen - den
Verzweifelnden gewidmet. - Mir ist vor ihm bange,« antwortete August, »mir ist
als könne daraus noch Unheil für Dich kommen, obwohl ich gerade nicht recht
begreife, wie aus einem Buche irgend etwas Gefährliches entstehen könne. Aber
mir ist innerlich angst.«
    »Das lass' Dich nur nicht kümmern,« sagte Franz ruhig, »mein Buch enthält
Nichts als eine Schilderung von dem Loose der Fabrikarbeiter, wie es Jedermann
kennt, der nur irgend einmal aufmerksam in einer Fabrik sich umgesehen hat. Ich
habe nicht das Geringste übertrieben, bin nirgends von der Wahrheit abgewichen,
habe überhaupt gar Nichts getan, als einfache Tatsachen geschildert.
Aufmerksam sollen die Leute werden auf unsere Not, das ist es ja, was ich damit
bezwecke. Wenn noch andere Leute, als die Fabrikherren, welche von unserm Elend
sich mästen - und welchen es deshalb freilich nicht sehr erwünscht sein mag, dass
es allgemein bekannt wird, wie sie uns behandeln - wenn also noch andere Leute
von unserm Elend hören, so werden weise Gesetzgeber und gerechte Regierungen uns
doch vielleicht ein besseres Loos verschaffen. Ich denke von den Menschen nicht
so gering. Ich glaube, vieles Schlimme und Unheilvolle besteht nur deshalb in
der Welt, weil allein Diejenigen, welche darunter leiden, es kennen, den Andern
es aber fremd bleibt und daher sie, welche die Macht und gewiss auch den Willen
hätten zu helfen - nur eben deshalb nicht mit ihrer Hilfe kommen, weil sie gar
nicht wissen, dass man ihrer bedarf und wie viel es zu helfen gibt!«
    Wilhelm versetzte: »Du hast immer noch gutes Zutrauen zu den Menschen, ein
viel besseres als sie verdienen - unsre täglichen Erfahrungen könnten Dich eines
Andern überzeugen.«
    »Nun, wir werden ja sehen, wer von uns Recht behält. In meinem ersten Buche
habe ich mich nur an die Menschenfreunde gewendet, in meinem zweiten an die
Verzweifelnden - ich denke, man muss es mit Beiden versuchen!« sagte Franz.
    »Ja,« rief Wilhelm, »vielleicht helfen die Menschenfreunde, wenn sie
einsehen, dass sie es außerdem mit Verzweifelnden zu tun haben.
