 Hausfrau, Gott erhalte sie so lange
meinem Vetter Götz; aber junge Edelleute zu erziehen, taugt sie nicht. Lasst mich
dafür sorgen, wenn ich Euer erstes gutes Stück gesehen.«
    Hans Jürgens Brust atmete auf.
    »Nachdenken, eh man's unternimmt, ist gut, wie ich sagte. Doch wenn Aeltere
für Euch denken, mögt Ihr Euch die Mühe sparen. Hans Jürgen hielt es vielleicht
vorhin für nicht ganz recht. Mein lieber junger Freund, wenn alles recht in der
Welt herginge, dann sähe es anders aus. Man hätte nicht gewagt, Euch zu
befehlen, mein Pferd in den Stall zu führen, Ihr sässet zu Selbelang auf Eurem
eigenen. So ist's nun in der Welt; es hat sich alles verrückt', und der Einzelne
tut genug, wenn er, was an ihm ist, die Sachen wieder in die Richte schiebt.
Was sind jene Krämer, die jetzt so viel Geschrei machen über Gewalttätigkeiten
und Unrecht? Betrüger! Auf unseren Straßen ziehen sie, über unsere Brücken
fahren sie, ihre Pferde grasen in unseren Wäldern, und wir sollen sie nicht zur
Rede darüber stellen, ihnen keinen Zoll, kein Geleitsgeld abfordern, was unsere
Väter taten? Geben sie uns Geschenke dafür, danken sie uns nur? Nein, sie
ziehen dem Bauern, dem Edelmann das Fell vom Leibe, und man muss sie mit
Sammetandschuhen anfassen, sonst machen sie Lärm. Das kann so nicht dauern!
Alle Kreatur krümmt sich und wehret sich; nur der Edelmann soll still schweigen
und alles dulden. Der Bürger schließt sich in seine Mauern und lässt nur die
Marktleute ein, die ihm gefallen und Abgaben zahlen. Der Fürst lässt sich
steuern, Zins und Schoss, immer mehr, immer mehr. Der Pfaff nimmt den Decem,
Opfer, Beichtschilling, und ist's ihm genug. Uns nur soll alles genügen. Das
geht nicht an. Im Übrigen, das ist heute nur ein Spaß. Wenn wir den Lumpenkerl
nicht ein bisschen schütteln, tut's ein anderer, und ärger. Dem Galgen entgeht
er doch nicht; er hat bei dem Schacher selbst Seine Kurfürstlichen Gnaden über's
Ohr gehauen, und nach Berlin wagt er sich gar nicht mehr. Das war eitel Gerede
von ihm, wie man's auch deutlich sieht, dass er sich von der großen Heerstraße
mit seinem Raube durch die Wälder schlängelt. Wer ein gut Gewissen hat -«
    Draußen ward es lebendig. Die Rosse wurden aus dem Stall gezogen.
    »Unterwegs plaudern wir weiter, Herr von Bredow. Seht, da geht der Pfaff
über die Gallerie in seine Schlafkammer. Der braucht heute nicht gewiegt zu
werden. Lacht sich in's Fäustchen, wie
