 recht, Agnes, was Du sagst von der Geschichte neulich,
und ich hab's mir schon selbst gesagt, dass es unrecht war. Nun aber hat's der
liebe Gott so gefügt, wie's sein musste. Hans Jochem brach ein Bein, und ich
musste nach den Hosen. Also hat's der liebe Gott allein und für sich gemacht, dass
wir keine Sünde begangen haben, siehst Du, der macht es doch gewiss zum besten,
und besser als ich und Hans Jochem es vorher bedacht hätten. Freilich der Hans
Jochem hätte nicht das Bein gebrochen, aber Du sagst ja selbst, das wär' zu
seinem Heil, und darum soll er Gott preisen. Warum soll ich Gott denn nicht auch
preisen, und das könnte ich doch nicht, wenn ich's vorher bedacht, da müsst ich
mich ja selbst preisen. Denk drum, 's ist am besten, man lässt's gehen, wie es
geht.«
    Es ward Agnes Bredow recht schwer, ihren Vetter eines Bessern zu belehren,
weil es überall schwer ist, zu lehren wo man selbst nicht recht Bescheid weiß.
Während sie lange hin und her stritten, ob jeder Mensch selbst denken müsse, und
was und wann und wie weit? schienen sie sich darin zu nähern, dass man's in
jungen Jahren noch nicht nötig hätte, wer nicht geistlich werden wollte; aber
dass es gut sei, wenn man älter würde, das musste auch Hans Jürgen zugeben.
    Da schlug er sich plötzlich auf die Lende: »Aber Blitz noch mal Agnes, Dein
Vater denkt ja auch nicht. Meinst Du, dass er nicht in den Himmel kommt? Er ist
doch ein so guter Christ wie einer.«
    Agnes besann sich: »Weißt Du was? Für den denkt die Mutter. Das mag wohl so
eingerichtet sein vom lieben Gott, wenn zwei verheiratet sind, so hilft Einer
dem Andern aus, und dem Einen wird angerechnet, was der Andre Gutes tut.«
    »Aber was er Böses tut, muss der Andere auch mittragen?«
    Agnes nahm sich vor, ihren Beichtvater darüber zu fragen.
    »Wenn Einer nun aber allein stehen bleibt, und wird nicht geistlich, der hat
es recht schwer,« sagte Hans Jürgen.
    »Freilich,« und dem armen Mädchen kam ihr Ohm Peter Melchior in den Sinn.
»Ach Gott, Hans Jürgen, nimm Dich in Acht, dass Du so einer nicht wirst. Was muss
da von den Werken der Heiligen drauf gehen, um den selig zu machen!«
    Sie faltete unter'm Mantel ihre kleinen Hände, und nahm sich vor, wo sie
eine Stunde sich absparen könne, für
