 zu haben, immer doch etwas Gift
zurücklässt. Nun ist Huss zwar, durch Gottes Gnade, verbrannt, aber haben nicht
die Zweifel, die er hingestreut hat über das Wunder zu Wilsnack, so gewuchert,
dass, man muss es mit Bedauern sagen, selbst der heilige Vater sich veranlasst sah,
die Andacht davor zu verbieten. Das Städchen hatte so hübschen Verdienst, und er
blieb im Lande.«
    »Ja, dazumal schnappten Viele nach der Pfründe.«
    »Die Opferstöcke werden überall immer leerer, die Gottlosigkeit nimmt zu.
Ich wollte Euch auch nicht anraten, lieber Ritter, wie Mancher in Eurer Lage
täte, einen Stellvertreter nach Jerusalem zu schicken. Das ist nur halbes Werk,
kostet sehr viel Geld, und wer weiß, ob der Mensch nicht schon unterwegs die
Zehrung verprasst und vertrinkt.«
    Darin war Herr Götz ganz einer Meinung mit dem Dechanten.
    »Was Ihr gebt, müsst Ihr durch sichere Hände gehen lassen. Es wird jetzt
durch alle christliche Länder zur Restitution des Tempels in Jerusalem
gesammelt; der allerchristlichste König hat es beim Grosstürken durchgesetzt. Ihr
braucht Eure Scherflein nur nach Brandenburg zu schicken; wir sammeln auch am
Dome.«
    Herr Götz warf einen eignen fragenden Seitenblick auf den Sprecher: »Nach
Jerusalem? Das bleibt ja nicht im Lande?«
    »Freilich nicht, indessen -«
    Es schien, als habe Herr Götz mit einem Male den Schlaf abgeschüttelt. Er
sah fast pfiffig den Geistlichen an: »Es bleibt doch Manches im Kasten kleben in
Brandenburg, nicht wahr? Da ist's besser, ich schick's gar nicht erst nach
Jerusalem.«
    »Wenn ich Euch riete, eine neue Lampe in unserm Dome zu stiften, sähe es
wie Eigennutz von mir aus. Aber wir finden schon etwas zur Beruhigung Eures
Gewissens. Das fällt mir ein, es tun sich in Rom fromme Leute zusammen, die das
Kreuz den Heiden predigen wollen in der neu entdeckten Welt und in Asien. Für
diese Bekehrer wird gesammelt. Was müssen sie leiden, diese heiligen Männer,
unter den Teufelsdienern: Qualen, Martertode, Hitze, Kälte, Hunger und Durst.
Wenn wir nur an ihr Dürsten in der Wüste bei jedem Becher dächten, ach mein Herr
von Bredow, der Tropfen Wein würde uns auf den Lippen zum Gifte. Wer spendet da
nicht aus vollem Herzen, was er kann. Was Ihr geben wollt -«
    »Will's mit meiner Frau überschlagen.«
    »Die gute Frau, wenn sie nur die Not dort kennte, wie sie barfuß durch den
glühenden Sand laufen müssen, die armen Kindlein zu ihrem Heil, sie zöge ihre
eignen Strümpfe aus.«
    »Barfuss?«
    »Alle barfuß, die
