 als schöpfte er plötzlich Erinnerungen aus dem
Ziehbrunnen seiner Seele. Die breiten Hände auf seine Knie schlagend, hub er an:
    »Ich sage Dir, Brigitte, es kommt nirgend was raus als Unglück! Und das
kommt alles bloß daher, weil die Menschen es immer besser machen wollen, als es
ist. Der liebe Gott muss doch gewusst haben, warum er's so machte, aber nein, sie
müssen kehren und putzen und scheuern.«
    Frau Brigitte sah ihn bedenklich an, ob ein Vogel von der Wäsche gesungen.
Es war anderes, was ihrem Eheherrn hinter'm Ohr hüpfte.
    »In Berlin werden sie lateinisch sprechen, die Jungen sollen durch die
Gucker in die Sterne sehen und die Weiber die Nativitäten stellen. Aus dem Reich
ist ein lateinischer Gelehrter verschrieben, der soll dem Hofe Unterricht geben,
und Komödien wollen sie spielen von einem Heidenmenschen, der vor zwei tausend
Jahren schon gestorben ist, der heißt Terwenzel. Mögen sie scharwenzeln, mögen
sie's aushalten, wenn ich nicht zuhören muss. Ich will auch gar nicht mehr auf
den Landtag reiten.«
    Den Entschluss billigte seine Frau: »Was hast Du auch da zu tun, Götz! Hast
darüber die Reiherjagd versäumt und die Martinigänse.«
    »Was da gestänkert jetzt und geredet wird, Brigitte, Du glaubst es gar
nicht. Nun frag' ich eine Seele, haben wir nicht genug Gerichte und
Gerechtigkeit im Land? Sprachen sie jetzt davon, es sollte ein großes oberstes
Gericht für die Marken errichtet werden in Berlin. Ist denn das
Reichskammergericht nicht schon Plage genug für 'nen rechtschaffenen Edelmann,
der's Unglück hat, dass er da was suchen muss? Nein, wir sollen die Plage auch
apart haben. Da sollen zwei Banken hingestellt werden, auf einer sollen die
Edelleute sitzen, auf der andern Gelehrte, und da soll alles geschlichtet und
entschieden werden, was sich in den Haaren liegt.«
    »Das wird 'nen Kohl geben!« sagte Frau von Bredow.
    »Rechtes Futter für die Advokaten, Processe, die einen Edelmann von Haus und
Hof fressen. Aber das ist den gelbschnäblichten Herren schon recht, je mehr nur
geschrieben wird, desto confuser und besser.«
    »Was Recht ist, weiß doch jeder selbst zum besten, nicht wahr, Götze. Gott
sei Dank, wir haben nichts mit den Gerichten zu tun.«
    »Meinst Du! Der Kunz Reder hat vor Jahren 'nen See abgelassen und ackert
darauf. Nun sagen die Bauern vom alten Kietz, sie hätten ein Recht auf die
Fische gehabt. Auf dem Acker könnten sie keine angeln. Und was kam beim Landtage
vor. Der Redner sagte: sie könnten ja Frösche angeln
