 Bild und Leben, zu verschaffen, habe ich mir von meiner letzten
        Reise nach England einen vortrefflichen Dollond mitgebracht, der sehr
        weit trägt, die Gegengenstände außerordentlich rein und scharf und mit
        zauberischer Klarheit festhält. Mit diesem bewaffnet bringe ich
        Stundenlang an den Fenstern meines Schlosses zu und schwelge in den
        Genüssen, die er mir aus der dumpfen Gemeinheit des in Schmutz und
        Schande sich wälzenden Volkes zuträgt. Grösseren Reiz im Genuss und
        dauerndere Befriedigung daran habe ich noch auf keiner Bildergallerie
        gehabt; meine Art, das Leben in der Kunst zu goutiren und auch vom
        Schmutz und Elend die unsichtbare Schicht feinsten Aroms, die sie
        umwebt, mit Behagen einzuschlürfen, ist die vorzüglichste und wird gewiss
        fashionable, wenn ich einmal in die Laune komme, die vertrauten Freunde
        zu verraten!
        Aus diesen Andeutungen kannst Du entnehmen, dass ich keineswegs müßig
        gewesen bin. Meine Macht wächst täglich, der Untertan neigt sich
        gehorsam vor mir und ist sehr zufrieden, wenn ich ihm nicht das Ohr
        kneipe. Ich herrsche vollkommen unumschränkt über Bauern und Weber. Es
        gibt fast kein Haus mehr in den nächsten drei Dörfern, das mir nicht
        angehört, und ich halte sehr streng auf pünktliche Zinszahlung! Enfin
        ich bin sehr zufrieden! Übrigens sind meine Leute friedlicher gesinnt,
        als Deine Fabrikarbeiter. Hier denkt Niemand an Empörung oder gar an
        Petition. Gott Lob, der Landmann und der bloße Lohnweber gehören noch
        der alten Zeit an, die sich mit Lesen nicht viel abgab! Vortrefflich
        arbeiten auch meine Pastoren uns in die Hände, und ich danke Gott
        wirklich, dass er mich so kostbare Wahlen hat treffen lassen. Es sind
        musterhaft gute, fromme, mir treu ergebene Herren, diese beiden
        Pastoren, aber Theologen vom Scheitel zur Zeh! Aber auch bloß Theologen,
        sag' ich Dir! Sie halten mit eifersüchtigen Blicken auf Befolgung des
        geschriebenen Wortes. Was geschrieben steht, steht geschrieben! heißt
        ihr Gott, ihr Glaube, ihre Seligkeit!
        Du kannst Dir vorstellen, was sich mit solchen gelehrten Büffeln
        anfangen lässt! Sie wollen nichts hören von Volksaufklärung, was ich nur
        billigen muss, und verleiden meinen Bauern und Webern alle Zeitungen und
        Bücher durch ihr fanatisches Eifern gegen die Presse. Ihnen ist Alles
        schlecht und verdammenswert, was nicht in der Vulgata und etwa in einer
        geistlosen Postille steht. Kann ich etwas Besseres tun, als diese
        Ehrenmänner in ihrem Amtseifer unterstützen und bestärken? Während sie
        meine Untertanen geistlich und selig machen, bringen sie ihnen den
        herrlichen Glauben bei, dass irdisches Glück und Wohlsein dem Himmel
        abwendig mache und Niemand zukomme, als den Auserwählten! Unter diese
        gehören natürlich die Herren und alle Obrigkeiten, und ich bin gar nicht
        böse, dass meine sehr unteologische Überzeugung trotzdem Allem mit
        dieser banalen Theologie vortrefflich harmonirt!
        Gesteh
