 Präsident.
    Nichts weiter als Langeweile. Ich hasse diese Maskeraden, die bei uns etwas
Gemachtes sind. Wir Deutschen passen nicht dazu. In Italien, wo man sich
gelegentlich wohl noch hinter Schleier und Kapuze verbirgt und so verborgen durch
die Straßen wandelt, ist eine Maskerade ein aus der Volksgewohnheit
hervorgehender Scherz. Wir, die wir nicht gern mit Jemand sprechen, dessen Namen
und Stand wir nicht kennen, wir taugen mit unserm Ernst nicht dazu, und sind
gewiss in dem Domino oder im Panzerhemde eben so unbeholfen und ungesellig, als
im schwarzen Frack.
    Sie sprechen ganz meine Meinung aus, sagte Terese. All diese Maskeraden,
die lebenden Bilder, das Komödienspielen und Musiciren in unsern Gesellschaften
sind nur Beweise, dass es an wahrer Geselligkeit fehlt. Wie selten findet man ein
Haus, in dem die Wirtin ihre Gäste gewähren lässt, in dem die Gleichgestimmten
sich von selbst zusammenfinden und mit einander in ungezwungener Unterhaltung
verkehren dürfen! Überall will man etwas bedeuten, man will einen
musikalischen, einen besonders geistreichen, einen literarischen Kreis um sich
versammeln. Da werden nun die unbedeutendsten Leistungen von Dilettanten
präsentirt. Eine halbe Stunde geht mit Nötigen und Zurüstungen hin, dann hört
oder sieht man etwas sehr Unvollkommenes, muss sich mit lügnerischem Entzücken
dafür bedanken und am Ende hat man sich gelangweilt. Man müsste es mit unserer
Gesellschaft wie mit den Kindern machen. Gewöhnt man diese daran, ihre Spiele zu
leiten, so lernen sie nicht allein zu spielen: man kann nichts Besseres für sie
tun, als sie ganz sich selbst zu überlassen, dann helfen sie sich auch selbst.
    Und wie albern werde ich als Oberon aussehen! wie passt denn ein Mann, der
Tage hindurch bei den Akten sitzt, zu solch luftigem Scherz! sagte Teophil. Ich
begreife nicht, wie Sie Frau von Barnfeld in dem Gedanken bestärken konnte.
    So lange Oberon und Titania nur als poetische Gebilde in unsern Seelen
lebten, meinte der Präsident, mochte eine solche Wahl bedenklich sein. Seitdem
man nun den Sommernachtstraum aber aufgeführt, ihn aus dem Reich des Ideals in
die grobe Wirklichkeit gezerrt hat, scheint es mir weniger gewagt, und Sie Beide
werden ganz gut aussehen als streitendes Elfenpärchen.
    Sie sind also auch gegen die Aufführung dieses Gedichtes gewesen?
    Ganz und gar, sagte der Präsident. Es gibt Dichtungen, wie eben der
Sommernachtstraum, der gestiefelte Kater, die so sehr in das Gebiet des
Phantastischen streifen, dass man sie zerstört, wenn man sie festhalten will. Dem
Menschen bleibt aus seiner Kindheit die Fähigkeit, sich ein Wunder, ein Märchen
in der Seele lieblich auszuschmücken, mit der Phantasie alle Lücken auszufüllen,
alle Zweifel zu beschwichtigen. Das schöne Gebild erfreut ihn, er mag es nicht
zerstören, er hat
