 hinstellen, darfst nicht
allein mir danken, wenn ich Dich grüße, Du musst ordentlich hübsch mit mir
schwätzen, denn was so mit Deiner Person vorgeht, ist mir meist unbekannter und
oft wissensnötiger, als was mit Deinem Gemüte vorgeht, drum schreibe mir jeden
Schritt und Tritt von den Menschen, die mit Dir sprechen, was Du über diesen und
jenen empfindest, was Du plauderst; denn ich habe mich nicht wenig geärgert, dass
Du mir nicht erzähltest, dass Du bei Leonhardi getanzt, und wie Du dort warst,
dass die vortreffliche Duchaget mit Dir sprach, die mir sagt, es sei Deine
Pflicht, mir darüber zu schreiben, dass Du lange in Frankfurt warst, von allem
dem nichts? In Deinen Briefen ist oft ein Ausbruch von Rührung über meine, aber
ich will nicht Dich rühren, ich will durchaus, dass Du Dich selber rührst, das
heißt, dass Du vor meinen Augen herumspringst wie ein junges lustiges Mädchen;
Deine allzugrosse Ernsthaftigkeit gegen mich musst Du Dir nicht so ernst werden
lassen, sonst kommst Du in Gefahr mich hoch zu schätzen, und dann bist Du auf
dem graden Weg des Kindes, das aus besonderer Achtung gegen den beinernen Löffel
nie Selbstessen lernt, und am Ende kannst Du doch nicht immer Brei essen, der
Mensch ist ein fleischfressendes Tier, und da hilft kein Löffel, und das
Vorkauen wird ekelhaft. Lebe wohl, schreibe, sonst schreibe ich nicht mehr, oder
bist Du krank, hast Du alle meine Briefe nicht erhalten, ich verstehe es nicht.
Noch eins, hüte Dich sehr aufzufallen, sei oder scheine stets in der
Gesellschaft lieber dumm als vorlaut und mit dem Händeklatschen der Toren
belohnt, es verführt zu einer miserablen Selbstgefälligkeit, die alle
Fortschritte auch bei dem besten Willen tötet, und kannst Du es nicht in Dir
dahin bringen, so vermeide lieber die Menschen, denn es ist entsetzlicher, von
gemeinen Menschen für genialisch als für einen Narren gehalten zu werden, am
besten aber für einen guten ruhigen Menschen.
                                                                    Dein Klemens
Soeben schreibt mir die Toni, wie sie Dich besucht habe, sie habe Dich munter
und fleißig beschäftigt gefunden, aber Du sehest übel aus; wie ist Dir, liebes
Kind, hast Du Kummer, quält Dich etwas, Du weißt nicht, wie mir der Gedanke
meine Ruhe nimmt, Du seist bang und ängstlich im Innern; ich bitte Dich um alle
Liebe, um alles, alles, giesse mir Dein Herz aus.
                                                                    Dein Klemens
Drei Briefe hast Du, diesen lasse der Toni lesen, wir müssen Freunde haben, sie
liebt uns.
 
                                   An Klemens
Der verminderte Septakkord hat seinen Satz auf dem Leitton des Grundtons.
    Kleine 3.
    Falsche 5.
    Verm. 7. Die erste Versetzung
