 Dir einen Brief bei, den
ich von Franz erhielt. Glaube, dass ich mich in gewisser Hinsicht unendlich über
seine Treue gefreut habe. Was er von Dir schreibt, ist ganz meine Meinung, nur
dass alles, was wir beide allein unter uns und voneinander wissen, dadurch so
überwiegend bleibe, als es wahr ist. Was Franz schreibt, ist so ehrlich gemeint
und so wahr, als Du wohl weißt, dass es sich von selbst versteht, den Brief
erhältst Du als Beweis meines unbegrenzten Zutrauens, und dass ich Dir nichts
verhehle, die hintere Seite des Briefs schneide ab für die Meline nebst den
Abbildungen der Zirkassierinnen aus Oberhessen. -
    Was Franz von unbekannten Ländern schreibt, heißt nichts, als dass er selbst
keine Lust zu reisen hat, fühlte er sich in Dich hinein, seine Güte und Liebe,
die immer nur für andre sorgt, würde gewiss sich selber Aufopferungen zumuten, um
Dich zu befriedigen, und fühl ich Dich recht heraus, so glühst Du eigentlich vor
Sehnsucht, mit der de Gachet in das fremde Land zu ziehen, und das verdient dies
göttliche Weib. - Ja, ich war bei ihr, wenig Tage war ich mit ihr zusammen bei
meinem Freund Ritter, der doch gar zu gut ist, mir himmlische Briefe schreibt
über Dich, die er liebt durch mich. Ich kann Dir nicht aussprechen, wie
notwendig mir es ist, manchmal über Dich zu sprechen, ich tu es aber mit solchen
Menschen nur, die viel größer sind und besser als ich. Und Ritter, der
liebenswürdigste, der, wie Moses mit seinem Stab an den harten Fels der
Wissenschaft schlägt, aus dem die reine kristallhelle Quelle der Weisheit
hervorsprudelt, und wer es wagt, seinen Becher dran zu füllen, der wird von der
Größe dieses unsterblichen Menschen durchdrungen. Mit Schlegel war ich auch,
aber mit ihm hab ich nie von Dir gesprochen; er ist groß und sehr bedeutend in
der Literatur, und Du musst ihn auch einmal sehen, aber ihm kann man nicht sagen,
was das Innere beschäftigt, mit ihm kann man nur Witz und Übermut treiben, und
doch kommt man dabei meist zu kurz, weil er Scharfsinn der Kritik und Satire nie
versteht, sobald es auf ihn geht. -
    Ach, was brauchst Du zu lernen, wenn Du so lieb bist beim Nichtlernen. Mag
es gehen, wie es will, das Bessre und Höhere wird doch Dich all durchströmen und
wird sich läutern in Deinem unberührten Wahrheitssinn. So bin ich auch unendlich
erquickt von der Beschreibung Deiner Kinderjahre, liebes Kind, wollt ich auch
Dir beteuern, sie seien unendlich schön und der tiefste Dichtersinn blicke da
heraus, Du würdest es nicht glauben. Du glaubst in solchen Dingen
