 nach Frankfurt, aber eher musst Du nicht aufhören, mir hierher zu
schreiben, bis ich Dir sage, dass ich nach Wetzlar fort bin, bis zum Sonntag hab
ich gewiss einen Brief noch von Dir. Ach, es ist mir eine so große Wohltat, wenn
ich Dich zufrieden weiß, dass ich am Freitag mit Begierde dem Postwagen
entgegeneilte, weil mir Christian geschrieben hatte, er werde kommen; ich hab
zum wenigsten erfahren, dass Du heiter und vergnügt bist, auch hat er mir die
Relation vom Fest gebracht. Robinson ist mit Christian gekommen; ein guter Kerl,
eine Art von wunderlichem Leonhardi. - Ich kann heute Dir nicht mehr schreiben,
es genüge Dir, dass ich seit Tagen mehr als je an Dich denke, und besonders seit
ich von Arnim aus Bern einen schrecklich langen Brief erhielt, in dem er von Dir
kein Wort spricht. Nein, das ist nicht wahr; er grüßt Dich herzlich und denkt
oft an Dich. -
    Wie steht's um Deine Klostergeschichte? - Schreib mir! Es ist keine rechte
Ruh mehr hier im Hause: der Pfarrer Bang liegt oben und schnarcht, Christian
bläst immer lamentable Flöte und Winkelmann exzerpiert die Lesebiblioteken. Nun
kommt dieser Weltanswurst, der Robinson und will von mir profitieren, und nun
bin ich schon ganz zusammengeworfelt und finde mich zwar zusammen, aber nicht
aus mir heraus.
                                                                         Klemens
                                Lieber Klemens!
Hier ein Brief von Md. Mereau, der an mich adressiert war; Du hast sie
vielleicht jetzt schon gesehen und mit ihr gesprochen, sage mir, ob sie noch
schön ist, oder vielmehr, ob Du sie noch lieb hast. Ich war auf der Gerbermühle
und hab der Marianne von Deinem Lied erzählt, nun musst Du ihr es auch schicken,
sie ist sehr begierig darauf wie natürlich, ich soll Dich grüßen von ihr. Ich
hab gefragt, warum sie so wenig mit uns war während Deinem Hiersein; ach, sie
wußt es nicht warum! - Und ich weiß auch nicht, warum ich hiersitze und der
Zukunft den Rücken drehe und in den Spiegel einer weit zurückgezogenen Zeit
schaue und auf einen kleinen Fleck nur schaue. Das ist der Beginn unseres
Briefwechsels! - Weil Du jetzt fort bist, so hab ich mich gar nicht mehr
besinnen können, wie ich Dir sonst schrieb, der Mereaubrief will doch zu Dir,
ich muss ihn schicken und schreiben! - Da suche ich nun in Deinen früheren
Briefen, wie es sonst mit uns war, so ganz gedächtnislos bin ich und finde ein
Lauffeuer verbundener Gefühle und Gedanken, ein Morgenrot, ein Morgenlicht, ein
Aufblühen, ein Mittagsglühen, ein unermüdliches idealisches Tragen und Heben,
ein Lehren in Liebe verwandelt und endlich eine schöne reine Lebenskühle!
