
tätest mir das größte Unrecht, wenn Du nur vermuten könntest, dass ich anders
werde. - Ach, ich kann ja meine Seele nicht abwerfen wie ein schlechtes Gewand!
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                                                                         Bettine
                                Lieber Klemens!
Eben ist mein Brief schon fort, und da kommt George mit einem nachträglichen
Anliegen an Dich. Am 19. März ist dem Klausner sein Geburtstag; George will, dass
wir ihm etwas vorzaubern, um sein langes Alleinsein ein bisschen mit vergnügten
Augenblicken zu unterbrechen, er meint, Du würdest gewiss etwas Schönes erdenken,
- wo wir alle mitwirken könnten. - Was könnten wir machen, Klemens, besinne
Dich, in der Übereilung fällt mir gar nichts ein: vielleicht ein Schattenspiel
in der Tür vom Saal angebracht, das gibt ein Familienpläsier, wenn wir am Abend
alle beisammen sind und die Dekorationen malen und die Figuren dazu; und mach
fort, schüttel's aus dem Ärmel!
 
                                   An Bettine
Ich kann Dir nur ein paar Worte schreiben, da die Post spät ankam. Dein Brief
hat mich recht gerührt, schreib mir doch ausführlicher und hüte Dich vor aller
Überreizung. Du hättest eine Ohnmacht gehabt, schreibt mir die Toni, und an die
Wand Dich gestoßen und ein tiefes Loch dicht unter dem Aug! -
    Ich fühl es an meinem Aug, so sehr leid tut mir's! So sind wir denn wieder
recht einig; ach Gott, ich bin doch so ängstlich! - Sei doch nur recht vergnügt,
so wirst Du gewiss nicht mehr solche Anfälle haben! Ich habe Dich gekränkt zwei
Wochen lang mit dummen Briefen, und dann kamst Du auf den Ball und warst im
Herzen nicht freudig dazu, da war Dir die ganze Welt ein Ekel, da musste Dir wohl
wüste im Kopfe werden! - Warum muss ich denn allein nur so dumm sein, hätte ein
anderer so von Dir gedacht, ich hätte ihm den Kopf zurechtgesetzt und hätte Dich
geschützt gegen jeden Vorwurf! - Ach ich bitte Dich, sei glücklich. Ostern komme
ich nach Frankfurt, da wollen wir uns recht ausschwätzen. Grüße die Gundel, sage
ihr mein Mitleid mit ihrem Unwohlsein wie auch, dass ich einen großen Brief von
der Mereau habe, und dass zwischen uns ein artiger Briefwechsel, eine Art
Präliminär-Friedensartikel sich zu erheben scheint. - Grüße die Toni, aber Dein
Aug, Dein Aug! Das scharfe Eisen, was so dicht daran Dich verwundete, leidet
doch Dein Aug nicht; ich fühle, wie ich Dich liebe voll Angst! Tut es denn noch
sehr weh? - Und eine Ohnmacht, gut, dass ich nicht dabei war. Ich bitte, halte
Dich gut! Ergib Dich keiner Betrübteit, wenn es vielleicht eine böse Narbe
wird! Wenn's doch
