, über viele Kleinlichkeiten hinauszusetzen, noch leichter aber ist's,
sich alles das zu ersparen. Sich ein wenig einzuschränken, um keinen Verdruss zu
haben, lohnt wohl der Mühe; Verdruss kränkt uns doch und nimmt uns das Vertrauen
zu den Menschen; hieraus wäre wohl zu empfinden, dass er dem freien Lebensorgan
unseres Herzens in den Weg tritt, und wenn wir ihn nicht mehr empfinden, so ist
das doch eine Abstufung unserer Seele. Wie schön ist es nun, die Menschen um
sich her so zu berühren, dass sie einem keinen Verdruss mehr machen können, und
doch die Freiheit und das ganze Leben seines Herzens zu behalten. Dass Du nun von
so vielen Menschen verkannt wirst, wie zum Beispiel von Ebel, der trotz seiner
schwachen Seiten ein sehr gelehrter Mann ist, und von Leonhardi, der offenbar
einen Widerwillen gegen Dich hat, wundert mich nicht, da mir selbst in einzelnen
Minuten Deine Erscheinung nicht ganz gefällt und mich drückt. Wenn ich das
empfinde, der ich Dich so gut kenne, wie sollen das alle die Leute nicht
empfinden, die keinen Menschen kennen? - Nun zweifle ich aber gar nicht, dass es
Dir einleuchten werde, wie es nicht zu verschmähen sei, allgemein liebenswürdig
und geliebt zu werden; denn nur dann kann man behaupten, zur wahren Schönheit
des Gemüts gelangt zu sein, wenn kein guter Mensch unbefriedigt von uns geht. -
Ich weiß nicht, Bettine, warum es mich so unendlich unmutig macht, wenn ich
Trätschereien über Dich höre, aber ich glaube, es ist deswegen, weil es eine
wirkliche Nachlässigkeit von Dir ist, sie zu veranlassen. - So habe ich jetzt
zum Beispiel wieder gehört, dass Du dem Mädchen, was Dich sticken lehrt, Briefe
von mir und Dir vorliest, und was hindert dies Mädchen, sie mag ein gutes
Geschöpf sein oder nicht, das, was sie gehört, herumzutragen? - Was Du selbst
nicht verbirgst, wird sie auch nicht verschweigen und hat es wohl nicht
verschwiegen, sonst wüsste ich's nicht. So wie Du zu ihr mit Deiner
Vertraulichkeit hinabsteigst, steigt sie wieder hinab, und sofort ist der Weg
sehr kurz, dass unser ganzer Umgang ein Gassenhauer wird. Das ist nun eine sehr
verdrießliche Sache, das macht Dich und mich den Leuten lächerlich und mit
Recht, und uns beiden macht es die Leute beschwerlich, denen Du es so wenig wie
ich verdenken darfst, über das zu lachen und zu spotten, was mit solchen
Prätensionen im Kote gefunden wird. Sehr ungeschickt und ebenso töricht aber wär
es, wenn Du dem Mädchen das verweisen wolltest oder nur ein Wort darüber
verlörst; denn das Mädchen hat gar nichts verbrochen, sondern bloß Dir selber
sollst Du
