
gleich sehen«, ruft der andere. »Wie sieht er aus? Ist er noch größer geworden?
Was hat er zu erzählen? Wo ist er doch gewesen?«
    »Ich glaube in Indien.«
    »Nein, in Ägypten!«
    »Nein, in England!« - Ein lautes Rufen der Kinder, die noch in der Nähe des
Tores stehen, unterbricht hier die Redenden. »Da ist er selbst!« klingt es von
mehreren Seiten.
    Eduard war langsam von der Straße her in den Hof hinübergeschritten. Die
meisten Arbeiter kannten ihn noch von früher her und beeilten sich, ihn
willkommen zu heißen.
    »Wie ordentlich und nett er gekleidet ist!«
    »Und wie schön und stark er geworden ist!«
    »Welch einen fürchterlichen Bart trägt er!«
    »Und sieh nur seine verwegenen Augen!«
    So flüsterten sich rechts und links die Frauen und Mädchen zu. Eduard hatte
indes seine alten Bekanntschaften erneuert.
    »Ich soll euch grüßen von den englischen Arbeitern! Es geht ihnen nicht viel
besser wie euch, und sie sind daher eure guten Freunde.«
    »Das ist sonderbar«, erwiderte einer aus der Gruppe, »ich dachte, in England
müsste es viel besser als hier aussehen. Ich habe immer gemeint, dass alle
Engländer reich wären.«
    »Nicht so ganz. Es sterben ihrer genug vor Hunger, und sie sind sehr
unzufrieden mit ihrem Schicksal.«
    »Aber wie geht das zu?«
    »Sehr einfach! Sie machen es gerade wie ihr und eure Kollegen - sie arbeiten
für einige große Herren und werden von diesen kujoniert bis aufs Blut.«
    »Aber das sollten sie sich nicht gefallen lassen!«
    »Sie ließ es sich bisher geradeso gefallen, wie ihr es euch noch jetzt
gefallen lasst. Von allen Seiten strengt man sich aber an, die Sache zu ändern.«
    »Und auf welche Weise?« »Indem man sich untereinander verbindet, um den
Herren zu widerstehen.«
    »Indem man also geradezu einen kleinen Krieg anfängt?«
    »Allerdings einen Krieg ohne Gewehr und Säbel, einen Widerstand, der einzig
und allein darin besteht, dass man nicht mehr arbeitet.«
    »Aber das ist ja nicht möglich! Wenn die Leute nicht mehr arbeiten, dann
verdienen sie ja auch nichts mehr.«
    »Ganz recht - für einige Zeit müssen sie sich so gut fortelfen, wie sie
können, aber ihr versteht wohl, je länger sie ihre Arbeit auszusetzen vermögen,
desto mehr zwingen sie die Fabrikherren, auf ihre Propositionen einzugehen.«
    »Das ist doch aber noch nicht ganz deutlich.«
    »Nun wartet, ich will euch die Sache an einem Beispiel erläutern. Die
Wollkämmer
