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    »Freu dich, dass uns die noch gewachsen sind!«
    »Nicht ein einziges Mal einen Fetzen Fleisch!«
    »Schäm dich, du hast am Sonntag noch Fleisch bekommen!«
    »Der Teufel mag deine Suppen essen!«
    »Gotteslästerer«, ruft die Mutter und zieht ihrem Sohn den Topf vor der Nase
fort, »hat dich das der Pastor gelehrt?« - »Der Pastor hat gut lehren!«
    »Nun, dann iss!« erwidert die Mutter. »Der Pastor isst freilich etwas
Besseres.«
    »Viel besser!« bemerkt der Sohn und beruhigt sich sofort, indem er aufs neue
mit dem Löffel niederfährt.
»Das Brot wird dies Jahr sehr teuer«, murmelt ein alter Arbeiter.
    »Ich kann es nicht begreifen«, antwortet ihm seine Tochter.
    »Die Zeiten sind so schlecht.«
    »Es ist aber doch bei uns genug Korn gewachsen!«
    »Hin und wieder, das ist wahr! Aber das kaufen die Spekulanten auf.«
    »Was ist das, ein Spekulant?«
    »Das ist ein reicher Mann.«
    »Also die reichen Leute kaufen uns das Brot fort?«
    »Jawohl, mein Kind.«
    »Die reichen Leute essen ja aber fast gar kein Brot.«
    »Aber sie legen das Korn in ihre Speicher.«
    »Wozu?«
    »Um uns zu zwingen, dass wir es höher bezahlen.«
    »Ist das aber recht?«
    »Nein, mein Kind, es ist aber erlaubt!«
    »Ach so!« - Und beide setzen ihre Kinnladen wieder in Bewegung.
    »Was meinst du, was heute der Herr Preis isst?« fragt ein Junge den andern.
    »Verdamm mich, wenn ich es weiß.«
    »Junge Hahnen isst er, mit Erbsen.«
    »Wer hat dir das gesagt?«
    »Ich habe es in der Küche gesehen, und Schinken und Petersilie.«
    »Mir einerlei!«
    »Und Tauben mit Apfelmus.«
    »Schweig still.«
    »Und Rehbraten mit brauner Sosse.«
    »Halt dein Maul!«
    »Und Apfelsinen und Korinten.«
    »Hol ihn der Henker!«
    »Und Wein trinkt er dazu, dass es rappelt.«
    »Gott verdamm ihn!«
Am Tore, etwas entfernt von den übrigen, liegen noch zwei Knaben - sie sind mit
ihrer Suppe fertig.
    »Ich weiß etwas von dir!« sagt der eine.
    »Und ich etwas von dir!« erwidert ihm der andere.
    »Du hast dem Herrn Preis Kirschen gestohlen.«
    »Und du seinen Pferden den Hafer.«
    »Du hast das Stärkemehl aus der Färberei gefressen!«
