 es
mit dem ganzen Gut bösdings machen könnte, wie sollten es dann die Kinder machen
mit dem halben oder einem Viertel? Dann kämen ihr auch immer die vielen armen
Leute in den Sinn, denen man helfen sollte, für die hatte man nie zu viel. Und
allerdings war Änneli bsunderbar gut und konnte niemandem etwas absagen; die
Kleider gab sie fast vom Leibe, äsiges Zeug, was man wollte, ja selbst Geld
schlüpfte ihr durch die Finger, wenn sie gerade im Sack hatte. Zu allen
Tageszeiten sah man arme Leute, besonders Weiber mit Säcklein, kommen und gehen.
Böse Leute redeten ihr nach, einesteils sei sie gerne eine berühmte Frau und
besser als andere Weiber, andernteils höre sie gerne, was in andern Häusern sich
zutrage, und das arme Weib kriege am meisten, welches am meisten Böses von den
Nachbarsweibern zu berichten wüsste. So redeten die andern Weiber. Es war aber
vielleicht nur Neid, weil sie nicht so gerne und aus gutem Herzen gaben wie
Änneli, dass sie ihr so etwas andichteten.
    So waren also Christen und Änneli in der Hauptsache einig und gleich
gesinnt. Beide wollten ihr Gut verwalten, dass sie es einst vor Gott verantworten
könnten, wollten gut sein und doch an die Kinder denken, aber jedes hatte dabei
seine eigentümliche Weise; Christen wollte zusammenhalten, was er einmal hatte,
Änneli wollte sich um so rascher rühren und aus allem den rechten Nutzen ziehen,
damit sie dem Dürftigen um so treuer helfen könnte in seiner Not.
    So war die Art eines jeden, aber das Eine störte das Andere in seiner Art
viel weniger, als man hätte glauben sollen. Es schien allerdings manchmal dem
Christen, als ob seine Frau zu gut wäre und jedem Klapperweib Glauben gebe, und
als würde das, was sie auf diese Weise unnütz ausgebe, ein artig Sümmchen
ausmachen. Allein da er nicht meinte, er müsse alles gleich sagen, was ihm in
Sinn kam, so hatte er Zeit zu vergleichenden Betrachtungen. So dachte er, ein
jeder Mensch hätte etwas an sich, und er wolle doch lieber, Seine sei zu gut als
zu bös, und daneben sei sie doch sparsam, für die Hoffart brauche sie nichts;
mit dem Haushalten möge sie nicht bald eine, und wenn es Ernst gelte, schaffe
sie für Zwei und brauche nicht eine Jungfrau hinten und vornen. So möge es schon
etwas erleiden, und er könnte leicht eine haben, welche viel mehr brauchte und
dazu nicht verrichtete, was sein Änneli.
    Änneli kam es allerdings manchmal bis in die Fingerspitzen, wenn ein Metzger
für eine Kuh bot, dass es ihr schien, sie dürfte das Geld kaum nehmen, und die
Kuh gab wenig Milch, nicht einmal gute
