 jetzt könne man sehen, wie
die eigentlich seien, wo besser sein wollen wie alle Andern. Sie hätten schon
lange gesagt, wenn der nicht etwas auf die Nase werde, so wüsse man nicht, ob
man noch an eine Gerechtigkeit glauben solle oder nicht. Aber wohl, jetzt sei es
gekommen; an der Hälfte hätten sie mehr als ds Halbe zviel, und es könnte sie
jetzt bald noch dauern. Aber wunder nähme sie es, ob Änni jetzt Die Milch
hinuntergelassen und ob es jetzt mit Leuten wie sie sich abgeben möchte. Aber
jetzt möchten sie auch nicht. Seien sie ehemals nicht gut genug gewesen, so
wussten sie jetzt auch nicht, warum so eine jetzt ihnen gut genug sein sollte.
    So räsonierten die Weiber; die Männer machten es etwas kürzer, und Änneli
fand vor ihnen mehr Gnade als Christen. Da müsste man doch blind sein, wenn man
nicht wüsste, wer den Wagen in den Hag gefahren und jetzt nichts mit ihm
anzufangen wüsste. Es sei bei einem so großen Hofe nichts verderblicher, als wenn
man immer um eine Arbeit hintendrein sei. Das sei gerade, wie wenn man an einem
Morgen nicht auf möge und am Abend nie nieder könne. Drüben aber gehe es so, und
daran sei Christen schuld. In der Haushaltung, welche Änneli regiere, da habe
alles seine Zeit, und man habe nie gehört, dass die Diensten nicht zu rechter
Zeit essen könnten. Und was Änneli unter seinen Händen habe, das suche es zu
guter Losung zu bringen, während Christen nichts aus den Händen lassen könne und
im Handel ein rechter Fösel sei, jeder Schulbub möge ihn. Sie wollten mit Änneli
wohl nachkommen, es sei eine manierliche Frau, und wenn eine einen solchen Mann
hätte, so nehme es sie nicht wunder, wenn sie zuweilen auch ein Wort dazu sagen
wolle. Es wäre wohl gut und käme Manchem wohl, es würde keine schlimmeren Weiber
geben als Änneli.
    Dann sagten wohl die Weiber: Es gebe keine wüstern Hüng als das Mannenvolk;
es brauche eine nur wüst zu tun, so gefiele sie allen wohl. Es gelüstete sie,
den Männern es zu zeigen, wie einem sei bei so einem Änni; es nehme sie wunder,
ob sie nicht bald aus einem andern Loche pfiffen. Aber es sei ein wüst Volk, und
alles sei ihnen recht, außer was ihre eigene Frau täte; die könnte es ihnen in
Gottes Namen nicht breichen, sie möge es anfangen wie sie wolle.
    Dieses Gerede tat aber niemand mehr weh als Resli. Alles andere hätte er im
Stillen ertragen wollen, wenn nur das nicht gewesen wäre. Ihm war es immer im
Gemüte, als würde des Dorngrüter Bauern Tochter noch nach ihm
