 Schaden gemeinsam fühlen, sollte dem
Zwiespalt vorbeugen, aber eben das ist, was ich meine: Friede und Zwiespalt
liegen nicht in den Verhältnissen, sondern in den Herzen. Man wird mir etwas
zugeben, man wird sagen: ja, wo alles Vermögen vom Manne kommt, wo er alleine
alles verdient und das Weib nichts mitgebracht hat, da geschieht so etwas gerne,
oder wo vom Weib alles kommt und von dessen Sache der Mann lebt, ebenfalls; da
wird das rechte Maß selten gefunden, und das Eine meint, es möge alles erleiden,
und das Andere, man sollte es bei jedem Kreuzer zeigen, wem es gehöre und wem
man es verdanke. Oder, wird man sagen, wo ein Mann haushälterisch ist und das
Weib vertunlich, wo der Mann alles zu Ehren ziehen möchte und das Weib von
nichts den Wert kennt und alles an die Kleider hängen möchte, oder wo der Mann
gutmeinend ist, das Weib aber den Geizteufel im Leibe hat, wo der Mann will, was
Recht und Brauch ist, das Weib aber Kaffeebohnen zählt und niemand was gönnt, da
muss es Streit geben, da kann es nicht anders sein.
    Allerdings, so ists. Aber es gibt nicht bloß Streit, sondern noch
Schlimmeres als Streit, andauernden Zwiespalt, und zwar nicht bloß wegen
Lastern, sondern noch weit mehr wegen Eigentümlichkeiten, und zwar auch da, wo
man in der Hauptsache durchaus einig ist.
    Unsere Eheleute waren Beide von Haus aus reich, Keines hatte dem Andern
etwas vorzuhalten. Er hatte den Hof geerbt mit wenig Schulden, sie ungefähr
vierzig, oder fünfzigtausend Pfund eingebracht. Beide waren haushälterisch,
gaben wenig Geld für Unnützes aus, zogen alles bestmöglichst zu Ehren, gingen
wenig von Haus, waren dabei guten Herzens, dienstbar, hilfreich und wohltätig.
Nach altländlicher Sitte hatten sie auch das Geld gemein, die Frau ging über das
Schublädli so gut wie der Mann, und vom Auf, schreiben der täglichen Ausgaben
und Einnahmen war keine Rede. Zu diesem Schublädli hatten sie nur einen
Schlüssel, und wenn eins denselben von dem Andern forderte, so fragte nie eins
das Andere, für was es Geld nehmen wolle.
    Christen, der Mann, hatte eine behagliche Natur; wenn er an der Arbeit war,
so tat es ihm selten einer zuvor an Fleiß und Geschick, aber Mühe kostete es
ihn, an die Arbeit zu gehen.
    Er schob nicht ungern von einem Tag zum andern auf, und was sich ihm heute
nicht schicken wollte, schickte sich ihm selten schon morgen. Es mochte Wetter
sein, wie es wollte, so fing er nie eine der großen Sommerarbeiten im Lauf einer
Woche an. Wenn alles um ihn her zappelte, so sagte er ganz
