 sagte sie, als sei er
falsch an ihnen; er sei viel zu schmeichlerisch und rühmerisch und dazu immer
nötig; so einer mache oft für zehn Batzen, was ein Anderer nicht für tausend
Pfund. Aber Christen konnte ihn nicht entbehren, guter Rat ist immer teuer und
in mancher Gemeinde auch um Geld fast nicht zu haben; Änneli wusste selbst
niemand, der bessern geben konnte, und damit er nicht etwa aus Not sie verrate,
spendierte sie demselben, so viel sie konnte, und wenn er kam, so musste er
allemal im Hinterstübli, wo ihm etwas zwegstand, welches er daheim nicht hatte.
Es gibt aber Leute, welche, je mehr man ihnen gibt, nicht nur um so ungenügsamer
werden, sondern auch in den Wahn geraten, als sei man völlig in ihrer Gewalt und
als könnten sie einen ungemerkt und ungestraft missbrauchen, wie sie nur wollten.
Sind sie einmal auf diesen Punkt geraten, so treiben sie gerne ein doppelt
Spiel, lassen sich von uns bezahlen und von Andern bestechen, um uns zu foppen
und zu betrugen. Sie rechnen, wenn man aus zwei Händen zu nehmen wisse, so gebe
es akkurat doppelt so viel als nur aus einer. Es gibt mehr Leute, welche von
solchem Schmaus leben, als man glaubt.
    Christen war Vormund, hatte fremdes Vermögen hinter sich, ob Geld oder
Schriften, weiß ich nicht, kann beides gewesen sein, denn dass die Titel immer da
seien, wo sie dem Gesetz nach liegen sollten, ist nicht gesagt; wo ein
Regierungsbeamteter und ein Gemeindsbeamteter, ein Gemeindschreiber zum
Beispiel, unter einer Decke liegen und unter einem Hütlein spielen, da können
noch heutzutage ganze Vermögen verschwinden, und wo ist das
Verantwortlichkeitsgesetz gegen den Regierungsbeamteten? Über die unschuldigen
Gemeindräte oder die noch unschuldigern Gemeinden geht es aus. Später muss es die
Gemeinde ersetzen; kleine Diebe hängt man vielleicht, große aber lässt man
laufen.
    Christen dachte nun von ferne nicht ans Betrugen, aber er sollte beschummelt
werden.
    Es waren Leute, welche Geld nötig hatten. Christens Ratgeber wurde ins
Interesse gezogen, und dieser bewog den guten Mann, das Geld aus den Händen zu
geben oder anzuwenden, die Titel zu versilbern oder abzutreten. Er sagte
Christen, der Gemeinde sei es ganz recht, er habe mit ihr geredet, und sie habe
ihn autorisiert, er solle es also nur unbesorgt machen, ihm könne es auf keinen
Fall etwas tun. Wenn ihm die Sache einmal aus den Händen sei, so sei er aus
aller Verantwortlichkeit, brauche sie nicht zu hüten, und er wolle alles schon
so schreiben, dass er zu allen Zeiten, es möge gehen, was da wolle, drus und
dänne sei. Dem Christen leuchtete das
