 in den Riss stehen, mich
für dich wehren könnte.«
    »Was meinst wegem Ernst?« fragte Anne Mareili, »was soll mir ernst sein?«
    »Ich meine so wegen der Seele und von wegen dem lieben Gott. Es ist nicht,
dass ich meine, es sei dir nicht ernst, aber es ist mir schon manchmal so
gegangen, dass ich habe den lieben Gott hineinstossen wollen, wo doch die Sache an
mir lag, und dass ich die Seele füregstosse ha, wo es mir doch nur um etwas
Leibliches war. Ich habe nur gemeint, wenn es dir recht um die Seligkeit wäre,
so würdest du das den Eltern vorgestellt haben, und wenn ein guter Blutstropf in
ihnen wäre, so könnten sie ja kein Wort mehr sagen. Ich will nicht sagen, dass
wir die Besten sind, und es ist manchmal strub genug gegangen bei uns, doch so
Gott will ists vrwerchet. Aber auch wo es am trübsten ausgesehen, so hätts wohl
Lärm geben können wegem Geld, aber wo eins gesagt hätte, dSach wär ihm vor der
Seligkeit und es wollte nicht schuld sein daran, so hätte kein Mensch mehr ein
Wort gesagt, nit dMuetter, nit dr Vater.«
    »So ist es darum nicht bei uns«, sagte Anne Mareili, »es ist mir leid, dass
ich es sagen muss, und jemand Anderem sagte ich es nicht. Da könnte ich lange
sagen, nur auslachen würde man mich und sagen: Du Löhl, was fragst doch dem
danach! Wenn er macht, was er will, so mach du, was du kannst; dHauptsach ist,
dass du einen reichen Mann kriegst und dass er dir die Sache lässt verschreiben,
dem andern allem hast du nichts nachzufragen. Ach, sie meinen, mit dem Gelde
hätte man alles, an diesem klebe alle Herrlichkeit, wie an einem klebrigen
Stecken der Staub. Darum fragen sie allem nichts nach als dem Gelde alleine, und
mich geben sie dar, wie man arme Würmer an die Angel steckt, wenn man Fische
fangen will. Ich bin ihnen niemere, sie denken nicht an meinen Leib, nicht an
meine Seele, nicht an meine Lebtig, nicht an meine Ewigkeit, sondern an nichts
als an das Geld, das sie mit mir fangen wollen, und was ich sage und wie ich
bitte, sie achten sich dessen gerade so viel, als der Fischer sich achtet, wie
der Wurm zappelt, den er an die Angel steckt.«
    »Das ist bös«, sagte Resli, »aber sie werden doch auch eine Religion haben?«
    »Ich glaube es«, sagte Anne Mareili, »sie werden; unterwiesen sind sie
worden,
