.« -
    »Da wussten Sie freilich Bescheid, aber ich nicht! - Und was wollen Sie denn
nun eigentlich hier in Dresden?«
    Es war eine Lampe hereingebracht und vor ihr auf den Tisch gestellt; sie war
zufällig wundervoll beleuchtet. Glänzende Lichtstreifen fielen auf ihr schwarzes
Atlaskleid und verrieten ihre liebliche Gestalt. Der weiche Nacken, die zarten
Hände tauchten aus den dunkeln Falten auf, und die Farben, welche dem Anzug
fehlten, lagen alle auf ihrem holden Antlitz. Klemens war bewundernd in ihren
Anblick versunken, und vergaß zu antworten.
    »Bitte, geben Sie mir meinen Arbeitskorb von jenem Tische,« sagte Faustine;
»ich finde es zwar nicht sehr verbindlich, Tapisserie neben der Unterhaltung zu
machen, aber Sie scheinen kein Freund der Konversation zu sein und deshalb auch
wohl kein Feind der Tapisserie.«
    Klemens ermannte sich, holte den Korb; statt ihn aber ihr zu geben, behielt
er ihn und sagte:
    »Sie frugen, was ich hier wolle? nun, zum Beispiel den Inhalt dieses
Körbchens besehen. Darf ich?«
    »Bürden Sie sich doch nicht mutwillig die Plage des Besehens auf, hier, wo
wirklich Augen und Seele zum Genuss mannigfacher Schönheit aufgespart werden
sollten.«
    Klemens untersuchte genau die kleinen Arbeitsgerätschaften des Körbchens:
»Fingerhut und Scheere von Kokosnuss? das ist sauber gemacht und dauerhaft
nebenbei, zu dauerhaft für eine vorübergehende Mode. Ein Flacon von Hyalit, ein
Bleistift in Schildkröt: Etui mit Silber eingelegt - niedlich! Aber welche
abscheulich plumpe Nadelbüchse von Porzellan!«
    »Abscheulich? Unglücklicher! sie ist anbetungswürdig, denn sie ist rococo.«
    »Ein Erbstück Ihrer Urgrossmutter vielleicht, und respectabel als solches
....« -
    »Nichts von respectabel! das ist ein unmodisches Wort, und rococo ist
modisch par excellence.«
    »Wie Sie befehlen! wenn es nur nicht schön sein soll. Dies Täschchen von
russischem Leder mit Ihren Visitenbillets gefällt mir besser. Ah! ein Brief. -
(Es war Andlaus letzter Brief.) - Es muss angenehm sein, Ihnen schreiben zu
dürfen.«
    »Viel angenehmer, mit mir zu plaudern.«
    »Sind Sie mit mir zufrieden, dass ich Ihnen nicht geschrieben habe?«
    »Ich bin ganz damit zufrieden. - Jetzt legen Sie die Sächelchen wieder
hübsch ordentlich in den Korb. So. Das grüne Gewölbe wäre exploitirt!« Sie
lachte so munter, dass Klemens auch ganz heiter ward. Er rief:
    »Dresden gefällt mir herrlich. Morgen besehe ich die Bildergallerie - die
Ihre.«
    Felderns Eintritt störte seine Heiterkeit, und noch mehr störte es ihn, dass
Faustine sagte:
    »Meine anachoretische Laune ist vorüber! ich werde viel ausgehen und mich
