 er einen guten Platz als Stallknecht bekommen könnte, so
könnte er leicht auf hundert Kronen kommen. Es reue ihn freilich, da fort,
dachte er, und es seien ihm alle lieb, aber es müsse ein jeder für sich selber
auch sehen.
    Der Meister sah diese Krankheit und merkte sie aus einzelnen Äußerungen,
aber er zürnte nicht darüber. Er war nicht von denen einer, die glauben, wenn
sie einem Dienstboten Gutmeinenheit zeigen, so solle derselbe dafür ein
lebenslängliches Opfer bringen, das heißt ihnen um einen Lohn dienen lebenslang,
der ihren Kräften nicht angemessen ist. Wohlverstanden, ich rede hier nicht von
der Sucht der meisten Diensten, alle Jahre weiterzuziehen um ein, zwei Kronen
Lohn mehr, wobei sie gar nichts in Anschlag bringen, weder ihre Fähigkeit noch
die ihrer wartende Arbeit noch den sittlichen Namen, den sittlichen Schutz eines
Hauses. Das Bewusstsein, etwas Gutes an einem getan zu haben, ist auch ein Lohn,
und jedenfalls genießt man einige Zeit lang den besser gewordenen Menschen. Aber
dann gehe man nicht zu weit. Kann man denselben bei sich nicht seinen Kräften
angemessen stellen und lohnen, so sei man ihm nicht selbstsüchtig vor seinem
Weiterkommen, sondern setze sein Werk also fort, dass man ihm selbst
weiterzuhelfen, ihn recht zu stellen sucht; dann hat man für zeitlebens ein
dankbares Herz, einen Freund gewonnen.
    So recht klar sah Johannes das gleich anfangs nicht ein, und es wurmte ihn,
dass er Uli für einen Andern erzogen haben sollte; aber er ließ es sich nicht
merken und kam endlich doch zum Schluss: »Entweder musst du ihn belohnen, bis er
zufrieden ist, oder ihn gehen lassen.« Als daher Uli in seinem zum Meister
gewonnenen Vertrauen ihm einmal eröffnete, er wisse nicht recht was anfangen, ob
etwas kaufen oder mieten oder was, so konnte derselbe ohne Bitterkeit ihm raten.
»Ich begreife es,« sagte er, »dass du nicht immer bei mir bleiben kannst; du bist
jung und musst deine jungen Jahre brauchen, und dir mit dem Lohn noch viel
nachezmache, gruset mir auch, wenn es mir vielleicht schon nützlicher wäre. Aber
was denkst du ans Kaufen oder Empfangen? Was willst du mit deinen hundert Kronen
anfangen? Etwas Großes ist nicht möglich, da sind hundert Kronen grad wie
nichts. Und wenn man nicht auch etwas Geld in den Fingern hat, so kann man gar
nichts zwängen und ist immer am Hag. Man muss alles wohlfeiler verkaufen denen,
die bar zahlen und die es wohl merken, wenn einer Geld haben muss; man kann nie
warten, bis es die rechte Zeit ist. Dagegen muss man alles teurer kaufen von
denen, die es einem dings geben; man kann
