 nichts zu tun
brauche und doch alles habe, nach was es sie gelüste.
    Beide warfen ungefähr zu gleicher Zeit nach dem Glücklichen ihre Netze aus.
    Stini zankte allemal mit ihm, wenn er in der Küche mit einem Schwefelholz
oder auch mit einem Span die Tabakpfeife anzünden wollte: Seine Finger wären
nicht zu vornehm, ein Köhli zu nehmen, er werde sie einmal nicht verbrennen dar,
ob. Es schnauzte ihn allemal an, wenn er in die Laterne wollte; bald füllte er
das Ampeli zu sehr, bald kam ein Tropfen daneben. Er werde noch anders müssen
husen lernen, sagte Stini. Seine Lederschuhe stunden oft eine Woche lang zum
Salben in der Küche, Stini rührte sie nicht an. Es tue ihm sauft, die Holzböden
zu tragen; was mangle er, um das Haus herumzustopfen, Lederschuhe? Das sei ihm
eine neue Mode! Stini hoffte, wenn Uli keine Lederschuhe habe, so müsse er
daheim bleiben. Wenn zuweilen nach dem Feierabend die Knechte noch auf den
Bänken vor dem Hause saßen, so jagte Stini sie ins Bett. »Kein Wunder,« sagte es
Uli, »dass du am Morgen so dr Faulhung machst, wennd am Abe nie is Nest wottst;
aus dir gibts dir Lebetag nüt.« Der Meisterfrau redete Stini beständig von Uli,
aber unter lauter Schimpfen und Schelten; es war nichts recht, was er machte, so
dass die Meisterin manchmal sagte: »Aber Stini, ich weiß gar nicht, was du über
Uli hast; er tut doch niemand etwas zuleid und ist einer von den brävsten
Bursche, wo es gibt, einen tölleren sieht man nicht.«
    Ürsi machte es ganz anders. Ürsi flattierte, machte süße Büschelimüli, stund
ganz nahe unter die Augen, hatte immer bei Uli was zu tun: entweder musste es ihm
helfen oder er ihm, es neckte ihn, bis er ihns anrühren, mit ihm ringen musste.
Bald wollte es ihm das Nastuch stehlen, bald eine Blume ab dem Hut, wollte ihm
süße Äpfel zustecken oder teigge Biren. Beim Kornmähen wollte es ihm nachlegen
und hatte immer ein gutes Wort für ihn auf der Zunge und eine Liebeserklärung in
den Augen. Es wolle einen Mann, sagte Ürsi oft, und der solle es gut haben bei
ihm; man lebe ja nur einmal, und da wäre man ja einfalt, wenn man miteinander
bös haben nicht miteinander glücklich sein wollte.
    Natürlich sagte es Beiden der weibliche Instinkt bald, dass sie
Nebenbuhlerinnen seien, und jede suchte die Andere auszustechen.
    Stini schimpfte über die Mannevölcher, welche einem jeden Schlärpli
nachliefen und beim Weiben nur auf das Gfräss sähen, und sagte Uli, er sei gerade
einer von den Dümmsten und Nichtsnutzigsten, er
