 kaum tun müssen. Lange hätte er Vater und Mutter
alleine erhalten, aber doch jetzt ein zahltes Heimat und jahraus und jahrein
zwei Kühe, von denen keine minder als sechs Zentner mache. Aber er habe auch von
Anfang an keinen Kreuzer zUnnutz vertan. Ein einziges Mal erinnere er sich, dass
er in Burgdorf ein halbbatziges Mütschi gekauft habe, das er hätte können sein
lassen. Er hätte es auch erleiden mögen bis heim und dort wohlfeileres Essen
gefunden. Ja, sagte ich, so viel könne ich nicht sagen, es sei mir mancher
Batzen entronnen; aber man könne es auch zu weit treiben, der Mensch müsse doch
auch gelebt haben. »Ja freilich,« sagte er. Ich lebe auch und bin froh dabei.
Ein Kreuzer, den ich erspare, tut mir wöhler als ein Neutaler einem, der ihn
verhudelt. Wenn ich es nicht so angefangen hätte, so wäre ich wohl zu nichts
gekommen. Ein armes Bürschli hat nicht den Verstand, wenn er einmal angefangen
hat, aufzuhören zu rechter Zeit; hat er einen Batzen verschlengget, so zieht der
zehn andere nach. Du musst aber nicht etwa glauben, dass ich dabei ein wüster
Gytung sei. Es ist schon Mancher z'leerem von großen Bauernhäusern weggegangen
und hat bei mir erhalten, was er nötig hatte. Ich habe nadisch dann nicht
vergessen, wer mir den Segen zu meiner Arbeit gegeben hat und wem ich bald
Rechnung ablegen muss. Auf diese Rede hin habe ich das Mannli von oben bis unten
angesehen mit großem Respekt; es hätte ihm kein Mensch angesehen, was hinter ihm
stecke. Ehe wir voneinander gingen, wollte ich ihm noch eine Halbe zahlen für
seine gute Lehre. Allein er wollte nicht und sagte, er hätte gar nichts nötig,
und ob er mein Geld oder seines zUnnutz vertäte, das käme ja einst bei der
Rechnung auf das Gleiche heraus. Seiter habe ich das Mannli nicht mehr gesehen;
es hat wahrscheinlich seine Rechnung schon abgelegt, und wenn niemand eine
schwerere hätte als der, so käme es Vielen wohl.
    Siehe, so meine ich, sei jeder Kreuzer, den du von deinem Lohn für solche
unnütze Sachen brauchst, durchaus ein schlecht gebrauchter. Bleibe zu Hause, und
damit ersparst du nicht nur zehn Kronen, sondern noch gar viel dazu. Es klagen
alle Knechtlein, wie viel Schuhe, wie viel Kleider sie brauchen, wie sie in Wald
und Wetter sein mussten; aber weißt du, womit sie die meisten Kleider verderben?
Mit ihrem Herumfahren des Nachts bei allem Wetter durch Dick und Dünn und mit
allem dem, was dabei vorgeht. Wenn man die Kleider vierundzwanzig Stunden am
Leibe hat, so verderbt man sie offenbar mehr, als wenn es nur
