 vornehmste Herrentochter wärest.« »Eben,
Base, weil ich nichts bin als ein Meitschi, so steht es mir wohl an, vornehm zu
tun und mich da nicht so vorwerfen zu lassen. Ich glaube, ich habe ein größer
Recht dazu als manche vornehme Tochter, sei es dann meinetalb eine Herren- oder
eine Bauerntochter.« »Aber Vreneli,« sagte Uli, »was vermag ich mich dessen, und
soll ich es jetzt entgelten? Du weißt im Herzen wohl, dass ich dich lieb habe,
und ich habe so wenig von dem gewusst, was die Base im Sinne hatte, als du. Es
ist daher nicht recht, dass du es an mir auslassest.« »Ach,« sagte Vreneli, »erst
jetzt merke ich, dass das Ganze eine abgeredete Sache war; du würdest dich sonst
nicht versprechen, ehe ich dich angeklagt. Das ist erst recht wüst und ich will
von der ganzen Sache nichts mehr hören, ich lasse mich nicht so hineinsprengen,
wie man die Fische ins Garn sprengt.«
    Damit wollte Vreneli wieder auf und fort, aber die Base hielt es fest am
Kittel und sagte ihm: Es sei das wüstest und misstreust Mönsch, wo an der Sonne
herumlaufe. Seit wann sie hinter seinem Rücken unter dem Hütli spiele? Das sei
wahr, wegen dieser Sache habe sie zum Vetter begehrt und dessetwegen habe sie
Beide mitgenommen. Aber was sie im Sinn gehabt, habe niemand gewusst, nicht
einmal Joggeli, geschweige denn Uli. Sie habe dem Vetter den Auftrag gegeben,
dem Uli die Würme aus der Nase zu ziehen, und es sei wahr, der habe Vreneli
grusam gerühmt, so dass der Vetter ihr gesagt, Uli nähme Vreneli lieber heute als
morgen, aber er dürfe ihm nichts sagen, er fürchte, es halte ihm ds Elisi vor.
Daraufhin habe sie gedacht, sie wolle reden, wenn Uli nicht dürfe, denn dass ihm
Uli nicht anständig sei, das überrede sie niemand, sie habe ihre Augen noch
nicht am Rücken. Er vermöge sich also dessen nichts. »Aber warum kommt er denn
heute in die Stube, wo ich einpacke,« fragte Vreneli, »und will mir ein Müntschi
geben? Das hat er noch nie getan.«
    »He,« sagte Uli, »ich will es dir grad sagen. Als ich heute mit dem Meister
geredet hatte, da bliebest du mir im Sinn mehr als je, und ich dachte, ich
wollte geben, was ich hätte, wenn ich wüsste, ob du mich lieb hättest und mich
nehmen würdest. Vom Lehen wusste ich kein Wort. Als ich dich so allein antraf, da
übernahm es mich, ich wusste nicht wie
