 wozu man
weder Pomade, noch Kamm, noch Haarnadel braucht, sondern nur Staub und Stroh,
damit die Schwalben und Sperlinge immer Material für ihre Bauten da finden.
Unterdes erzählte er mir, es sei ihm in der Schweiz was Sonderbares geschehen,
man habe ihm nämlich erzählt, dass es in waldigen Berggegenden eine Art Schnecken
gäb, die sehr schmecken, und dass es auf dem Weg von Luzern irgendwohin auf einem
Berg sehr viel solcher schmeckender Schnecken gibt, er habe solche auch in Masse
im Wald angetroffen und einen so starken Appetit danach bekommen, dass er ihrer
mehrere gegessen und ganz satt davon geworden sei, als er ins Wirtshaus
zurückkam, verbat er sich sein Mittagessen, weil er zu viel von den so gut
schmeckenden Schnecken gefunden, und habe sie mit so großem Appetit verzehrt,
dass er unmöglich noch was genießen könne. »Wie?« - sagte der Wirt, »Sie haben
die schmeckenden Schnecken gegessen?« - »Nun ja, warum nicht, sagten Sie nicht
selbst, dass die Schnecken sehr wohlschmecken, und dass die Leute gewaltig danach
her sind, sie zu sammeln?« - »Ja, sehr schmecken hab ich gesagt, aber nicht:
wohl! - Schmecken heißt bei uns stinken, und die Leute sammeln sie für die
Gerber, um das Leder einzuschmieren.« - »So hab ich also dieses Gerbermittel
gespeist und mich sehr wohl dabei befunden«, erzählte Herr Arenswald, während
ich sehr errötet in die Luft guckte; denn es war kein andrer Platz da, ohne auf
eine grobe Sünde des gänzlichen Mangels zu stoßen. - Die Schneckenmahlzeit mag
nun wahr sein oder auch erfunden, um mir auf eine feine Art verstehen zu geben,
dass ihn der Hunger dazu gezwungen. Die Kousine rief mich herein, und Arenswald
nahm, wie bei hohen Potentaten, rückwärtsgehend Abschied von mir, woraus ich
schloss, dass es von hinten auch nicht besser mit ihm bestellt sein möge. Also
erst die Begrüßung bei meinem Einzug, der Jubel war türkisch-kaiserlich nach der
Milchfrau, der Gemüskorb mit Blumenkohl war meine Kron, den Baldachin, den
Parapluie, hatt ich im Schiff gelassen, die erst Audienz war auch mit allen
kaiserlichen Ehrenbezeugungen vor sich gegangen, unterwegs hatt ich großmütige
Geschenke gemacht an die nackigen Büberchen, Arenswalds Audienz war auch eine
untertänigste Ansherzlegung des menschlichen Elends. Was will ich mehr? - Immer
hat's mir im Sinn gelegen, ich werde noch zu hohen Würden steigen. -
    Ich werd auch geruhen, des schmeckenden Schneckenfressers außerordentliche
Verdienste um die Selbsterhaltung zu belohnen, durch den Jud Hirsch, der morgen
nach Offenbach geht; wenn mir's nur nicht bis morgen aus den Gedanken kommt wie
der Parapluie, ein Fehler,
