 der Wunder, bevor er nur gemerkt hat, dass er aus der Welt da draußen
hinweggegangen ist.
    Aber heutzutage passt die Magie eines solchen süssfesselnden Stils gar nicht
mehr.
    Ew. Wohlgeboren, heutzutage müssen Sie noch mehr tun, als die Bassposaune
blasen. Sie müssen den Tam-Tam schlagen, und die Ratschen in Bewegung setzen,
womit man in den Schlachtmusiken das Kleingewehrfeuer macht, oder falsche
Quinten greifen, oder vor die Dissonanz die Konsonanz schieben, wenn Sie die
Leute »packen« wollen, wie es genannt wird.
    Ew. Wohlgeboren, die ordentliche Schreibart ist aus der Mode. Ein jeder
Autor, der etwas vor sich bringen will, muss sich auf die unordentliche verlegen,
dann entsteht die Spannung, die den Leser nicht zu Atem kommen lässt, und ihn par
force bis zur letzten Seite jagt. Also nur alles wild durcheinander gestopft und
geschoben, wie die Schollen beim Eisgange, Himmel und Erde weggeleugnet,
Charaktere im Ofen gebacken, die nicht zu den Begebenheiten stimmen, und
Begebenheiten ausgeheckt, die ohne Charaktere umherlaufen, wie Hunde, die den
Herren verloren haben! Mit einem Worte: Konfusion! Konfusion! - Ew. Wohlgeboren,
glauben Sie mir, ohne Konfusion richten Sie heutzutage nichts mehr aus.
    Ich habe, soweit ich vermochte, in diesem Stücke bei den Münchhausianis für
Sie gesorgt, und ein bisschen Konfusion gestiftet, soviel es sich tun ließ, damit
die benötigte Spannung entstehe. Sehen Sie, so wie jetzt das Heft gebunden ist,
kann kein Mensch bisher erraten, woran er ist, wer der alte Baron ist, und das
Fräulein und der Schulmeister, und wo sich die Sache zuträgt? Hat sich aber ein
tüchtiger Leser erst durch einige Kapitel hindurchgewürgt, dann würgt er sich
auch weiter, denn es geht den Leseleuten so, wie manchem Zuschauer in der
Komödie. Er ärgert sich über das schlechte Stück, er gähnt, er möchte vor
Ungeduld aus der Haut fahren, aber dennoch bleibt er sitzen, weil er einmal sein
Entréegeld gegeben hat, und dafür auch seine drei Stunden absitzen will.
    Also, Ew. Wohlgeboren, ich dächte. Sie ständen von dem Verlangen nach
Umheftung ab. Der ich übrigens usw.
                     III. Der Herausgeber an den Buchbinder
Lieber Herr Buchbinder, Sie haben mich überzeugt. Ach, ich lasse mir jetzt von
jedermann raten in meinem Metier, selbst von Ihrem Jungen, wenn er mir etwa
Vorschläge über das neue Buch machen kann. Es hat mir schon so mancher Junge
Zurechtweisungen erteilt, und ich habe sie nicht befolgt und schwer darob büßen
müssen.
    Es soll also bei der Verheftung bleiben, und wenn Sie oder Ihr Junge in der
Folge merken, dass ich wieder gegen die Spannung, oder die
