 solch ein Sprüchwort, das! - fuhr Richard auf,
dessen Ungeduld jetzt den höchsten Grad erreicht hatte; die Zeit kommt gewiss,
der Rat aber gewöhnlich erst hinterdrein, wenn die Zeit sich nicht mehr
einholen lässt. Aber weiter, weiter, wie beträgt sich Torson gegen Julien, was
scheint sie von ihm zu halten?
    Zuerst blutwenig, beim ersten Auftreten missfiel er ihr durchaus, aber der
Mensch ist wahrscheinlich ein lappländischer Zauberer, denn mit rechten Dingen
kann dergleichen nicht zugehen. Kaum dass er eine ziemlich lange Unterredung
unter vier Augen mit ihr gehabt hatte, die er beinahe erzwingen musste, so
erschien sie mit einemmale wie umgewandelt. Sie hat nur Augen und Ohren für ihn,
ist für ihn die personificirte Hingebung, hängt an seinen Blicken, duldet dass er
ihre Hände küsst, ihr Wangen und Arme streichelt, nimmt Geschenke von ihm an,
putzt sich damit, nach seiner Anordnung. Gegen uns aber, besonders gegen mich,
ist sie zurückhaltend, und doch dabei so gut und lieb. Will ich forschen,
warnen, ermahnen, was ich doch wahrlich nicht ganz lassen kann, indem ihr
Schicksal mir sehr am Herzen liegt, so fällt sie mir um den Hals, antwortet
keine Sylbe, lässt schweigend alles über sich ergehen; aber in ihren guten treuen
Augen liegt eine so rührende Bitte um Schonung - dem widerstehe, wer da kann,
mir bricht das Herz dabei.
    Und Iwan! Iwan! duldet er das alles?
    Auch ihn hat der lappländische Hexenmeister umstrickt, er ist wie mit
Blindheit geschlagen, war die Antwort; er ist der unerklärlichen Macht dieses
Menschen dermaßen verfallen, dass er nichts sieht noch hört, als was jener ihn
sehen und hören lassen will. Torson ist listig und fein genug, um in Iwans
Verhältnisse zu Julien keinen sichtbaren Zwang eintreten zu lassen, und das
beruhigt diesen. Zwar ist er nie mit Julien allein, Torson steht immer als
dritte Person zwischen den beiden, weiß sie aber so zu leiten, dass er nie
störend erscheint.
    Nirgends, nirgends ein Ausweg! ich fange an die ganze Gewalt des Zaubers zu
begreifen, dem Iwan verfallen ist; es gibt Dinge, Verhältnisse, teure
Freundin, die ich nie gegen Sie aussprechen darf, und eben deshalb sehe ich
keine Hilfe! klagte Richard, und ging trostlos die Hände ringend, im Zimmer auf
und ab.
    Sie können viel, Sie können Alles, wollen Sie nur; jeder kann was er will,
wenn er recht will; erwiderte Frau Karoline mit großem Ernste, der ihr seltsam
genug stand, aber eben deshalb um so imposanter auf Richard wirkte. Für Julien
sein Sie unbesorgt, die steht unter meiner Obhut, ich wache über sie; jener
Elende soll
