 fast niemand zu Worte kommen ließ, und
wenigstens die andern alle mit seiner tönenden Stimme überschrie. »Habt ihr es
wohl gesehen und bemerkt«, sagte er jetzt mit kräftigem Ton, »wie meine Rolle,
dieser Selbitz, eigentlich, wenn man die Vernunft zu Hilfe nimmt, die
Hauptperson im ganzen Stück ist? Ohne ihn kann der Götz nichts machen, gar
nichts; gleich muss zu dem Lahmen geschickt werden, der auch zehnmal klüger ist,
als der Herr Berlichingen selbst. Er traut gleich dem Weislingen nicht; er weiß,
dass an dem höfischen Gesellen kein gutes Haar ist. Und wäre ihm nur der Götz
immer gefolgt, so würde alles besser gegangen sein. Er schlägt und siegt und ist
sich und seiner Sache immerdar treu und unerschütterlich. Nun wird er aber im
vollen Siege verwundet, er wird vom Schlachtfelde getragen: da zeigt er sich
noch einmal in seiner ganzen Pracht, denn gewiss ist dieser Auftritt der schönste
im ganzen Stück. Er kann aber nicht mehr mitfechten, er muss nach Hause, um sich
kurieren zu lassen, und nun ist es eigentlich auch mit dem Herrn Götz zu Ende,
denn von nun an geht alles mit ihm abwärts, er muss sich gefangen geben, und
selbst der hochmütige Sickingen kann ihm im wesentlichen nichts nutzen. Auch
nachher nicht, und noch viel weniger der armselige Zigeunerhauptmann, der auch
so große Worte in den Mund nimmt und Blut und Leben für ihn lassen will. Was
können nun Lerse, Maria, selbst Weislingen für ihn tun? So gut wie nichts; der
arme Mensch muss zugrunde gehen, weil er seinen tüchtigen Selbitz nicht mehr hat,
der wahrscheinlich an seinen Wunden gestorben ist, weil er gar nichts mehr von
sich sehen und hören lässt. Seht, Kinder, so liegt eine sehr schöne Moral in
dieser Sache, dass so oft unansehnliche Männer, die nur in einem kleinen
Wirkungskreise leben, doch die allerwichtigsten im ganzen Staate sind, wie denn
das auch der Kaiser Maximilian wohl eingesehen hat, der diesen Selbitz gar zu
gern zu seinem Feldherrn gemacht hätte. Es hätten eigentlich alle Schulkinder
dies Meisterwerk mit ansehen müssen, hätte es nicht an Platz gemangelt. Ja,
Freunde, wenn der verständige Selbitz noch gelebt hätte, so würde sich unser
etwas bornierter Götz niemals mit dem dummen Bauernvolk eingelassen haben.«
    Hier erhob sich plötzlich der Schulze in grossartigem Zorn. »Schimpft nicht«,
Schulmeister, rief er aus, »wenn Euch nicht dies Weinglas an den Kopf fliegen
soll. Weil Ihr den lahmbeinigen Reitersmann gespielt habt, als Komödiant, dürft
Ihr darum unsersgleichen nicht verachten und niederträchtig machen.«
    »Ich schimpfe nicht, Mann«, schrie der Schulmeister dagegen; »die Leute
dort,
