 eine Ängstlichkeit, von welcher die Männer keine Vorstellung
haben. Zuweilen erschreck' ich vor dieser pflanzenartigen Bewusstlosigkeit, in
welcher die Frauen vegetieren, vor dieser Zufälligkeit in allen ihren Begriffen,
in ihrem Meinen und Fürwahrhalten. Der Augenblick ist der Urheber unsrer
Handlungen und die Vergesslichkeit die Richterin derselben. Ach, Antonie, ich
beschwöre Dich! Nimm diese Klagen nicht als die Frucht eines regnerischen Tages;
oh - ich leide an einem Schmerze, der unheilbar ist, da ich ihn gar nicht zu
nennen weiß. Das rennt, läuft, springt, lacht, singt, weint, zankt - nun sage
mir um des Himmels willen, was steckt dahinter? Was ist der Kern dieser
spiralförmig fortkreiselnden Unruhe? Die Männer sind glücklich, weil man an sie
Anforderungen macht. Das Maß ihrer Handlungen ist der Beifall oder der Nutzen,
den sie damit gewinnen. Auch dies sage, warum wir den Faust nicht lesen sollen?
Die Schilderung jener Zweifel, die eines Menschen Brust durchwühlen können,
macht uns vertraut mit ihnen und die Wirkung derselben für uns weniger
gefährlich. Aber ich fühl' es, dass sich in jedes Menschen Herzen innere Gedichte
entwickeln, eine ganze Historie von Wundern, die wir zu erklären verzweifeln,
Gedichte, in denen wir selbst der von den Göttern verfolgte, geneckte,
scheiternde, irrende Ulysses sind. Das ist alles halb, siehst Du. Es ist noch
immer nicht das, was ich sagen möchte und nicht sagen kann. Liebe Antonie, das
ist der Fluch: man verlangt nichts von uns, man will gar nichts, es kommt gar
nichts drauf an. Auch dies noch: wir haben einen Ideenkreis, in welchen uns die
Erziehung hineinschleuderte. Daraus dürfen wir nun nicht heraus und sollen uns
nur mit Grazie wie ein gefangenes Tier an dem Eisengitter dieses Rondells
herumwinden. Diese Gefangenschaft unserer Meinungen - ach, war Spreu für den
Wind! Rechte will ich in Anspruch nehmen, für wen? für was? O Antonie, ich habe
nichts, was wert wäre, gedacht: ich will gar nicht sagen, gemeint oder
gesprochen zu werden. Ich drücke an den Begriffen, die mir zu Gebote stehen;
aber sie sind elastisch und geben immer nach und gehen immer wieder zurück. So
glaub' ich, kommen auch die Revolutionen, wenn die Menschen so viel Mühe haben,
an ihrer Stirn hin- und herfahren und ihre welke Begriffstyrannei gern stürzen
möchten mit etwas, was sie suchen, aber nicht finden können. Dann schaffen sie
sogar Gott ab, nämlich, weil sie ihn wahrhaftig nicht verstehen. Es ist auch
schwer, Antonie! Die Schöpfung - schon gut; aber woher? womit? warum? Der
Mensch, der Affe, der Polyp, die
