 von Eichhörnchen entdeckt, unter einem Baum
lagen eine große Menge dreieckiger Nüsse, auf dem Baum saßen zum wenigsten ein
Dutzend Eichhörnchen und warfen mir die Schalen auf den Kopf, ich blieb still
unten liegen und sah durch die Zweige ihren Ballettsprüngen und mimischen Tanz
zu, was man mit so großem Genuss verzehren sieht, das macht einem auch
unwiderstehlichen Appetit, ich habe ein ganzes Tuch voll dieser Nüsse, die man
Bucheckern nennt, gesammelt und die ganze Nacht daran geknuspert wie die
Eichhörnchen; wie schön speisen die Tiere des Waldes, wie anmutig bewegen sie
sich dabei, und wie beschreibt sich in ihren Bewegungen der Charakter ihrer
Nahrungsmittel. Man sieht der Ziege gleich an, dass sie gerne säuerliche Kräuter
frisst, denn sie schmatzt. Die Menschen seh ich nicht gerne essen, da fühl ich
mich beschämt. Der Geruch aus der Küche, wo allerlei bereitet wird, kränkt mich,
da wird gesotten und gebraten und gespickt; Du weißt vielleicht nicht, was das
ist? - Das ist eine gewaltig große Nähnadel, in die wird Speck eingefädelt, und
damit wird das Fleisch der Tiere benäht, da setzen sich die vornehmen,
gebildeten Männer, die den Staat regieren, an die Tafel und kauen in
Gesellschaft. In Wien, wie sie den Tirolern Verzeihung für die Revolution
ausgemacht haben, die sie doch selbst angezettelt hatten, und haben den Hofer an
die Franzosen verkauft, das ist alles bei Tafel ausgemacht worden, mit trunknem
Mut ließ sich das ohne sonderliche Gewissensbisse einrichten.
    Die Diplomaten haben zwar die List des Teufels, der Teufel hat sie aber doch
zum besten, das sieht man an ihren närrischen Gesichtern, auf denen der Teufel
alle ihre Intrigen abmalt. In was liegt denn die höchste Würde als nur im Dienst
der Menschheit, welche herrliche Aufgabe für den Landesherrn, dass alle Kinder
kommen und flehen: »Gib uns unser täglich Brot!« - Und dass er sagen kann: »Da
habt! Nehmt alles, denn ich bedarf nur, dass ihr versorgt seid«, ja wahrlich! Was
kann einer für sich haben wollen als alles nur für andre zu haben, das wäre der
beste Schuldentilger; aber den armen Tirolern haben sie doch ihre Schulden nicht
bezahlt. Ach, was geht mich das alles an, der Bote geht ab, und nun hab ich Dir
nichts geschrieben von vielem, was ich Dir sagen wollte, ach wenn es doch käme,
dass ich Dir bald begegnete, was gewiss werden wird, ja, es muss wahr werden. Dann
wollen wir alle Weltändel sein lassen und wollen jede Minute gewissenhaft
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                                                                         Bettine
 
                                   An Bettine
                                                                         Töplitz
Deine Briefe, allerliebste Bettine, sind von der Art, dass man jederzeit glaubt,
der letzte sei der interessanteste.
