 einem Verhältnisse zu der Gräfin kann offenbar nichts werden,
tausend Umstände sind dagegen; Konstanze selber, wie ich sie kenne, hat nicht
den entfernten Gedanken an so etwas, kann ihn gar nicht haben. Theobald wird
müssen seiner Leidenschaft entsagen lernen, ich seh alles voraus, es wird tief
bei ihm einschneiden - schad't nichts, das soll mir ihn zu sich selbst bringen,
soll mir ihn weich machen für Agnes; er wird dem Himmel danken, wenn ihm das
weggeworfene Kleinod erhalten blieb. Für jetzt wär's Unsinn, ihm die Gräfin
gewaltsam vom Herzen reißen zu wollen; ich hoffe, es ist nur ein Übergang, und
ich müsst ihn schlecht kennen, oder es kann ihm in die Länge selbst nicht
schmecken. Auf jeden Fall lässt er mich ja an allem teilnehmen, was etwa mit ihm
und Konstanzen vorgeht, und Larkens ist bei der Hand, wenn Feuer im Dach
auskommen sollte; überdies will ich meinen Leuten so genau aufpassen, dass mir
nichts in die Quere laufen soll. Das erste ist nun, ich muss wissen, was an dem
Märchen mit Agnes ist; gewiss irgendeine verleumderische Teufelei, und mein
vortrefflichster Nolten hat in der blinden Hitze einmal wieder
danebengeschossen; ich lasse mich rädern, das ist's. - Hm! freilich, hätt ich
nur ein einzig Mal das Mädel mit diesen meinen Augen gesehen! aber so, was bürgt
mir für sie? Man hat Beispiele, dass so ein Engelchen auch einmal einen
schlechten Streich macht, oder, was bei ihnen geradesoviel ist, einen dummen.
Nein, zum Henker, ich kann's wieder nicht denken! Sind mir ihre Briefe nicht
Zeugnis genug? So schreibt doch wahrlich keine Galgenfeder! Und gesetzt, sie
hätt einmal ein paar Tage einen Wurm im Kopf gehabt und ein bissel nebenaus
geschielt, etwas Gift mag so was immer ansetzen beim Liebhaber, doch im ganzen
was tut's? Ein verdammter Egoismus, dass wir Männer uns alles lieber verzeihen,
als so einem lieben Närrchen; eben als hätten wir allein das Privilegium, uns
zuweilen vom Leibhaftigen den Pelz ein wenig streicheln zu lassen, ohne ihn just
zu verbrennen. Wetter! diese frommen Hexchen haben so gut Fleisch und Blut wie
unsereiner, und der nächste Blick auf die Person des Alleinzigen wirft den
Hundertstels-Gedanken von Untreue und das gewagteste Luftschloss wieder überen
Haufen; dann gibt es nichts pikanter Wollüstiges für so eine süße Krabbe, als
die Tränchen, womit sie gleich drauf die Verirrung ihrer Phantasie am bärtigen
Halse des Liebsten unter tausend Küssen stillschweigend abbüsset. Aber auch nicht
einmal dieser leichten Seitensprünge halt ich Agnesen fähig; wenigstens wär mir
leid um das goldreine Christengelsbild, das ich mir so nach und nach von
