 ist, dass
er sich nicht entschließen kann, was er eigentlich machen soll. Er behauptet,
wenn man eine Weile ins Blaue hinein versuche und den Zufall mitunter walten
lasse, so gerate man häufig auf die besten Ideen.«
    »Er hat recht!« sagte Theobald.
    »Er hat nicht unrecht«, versetzte der Alte; »wenn mir aber solch ein
Verfahren am Ende nur nicht gar zu dilettantisch würde! So fängt er neulich
einen Amor in Ton zu formen an, wozu er das Muster auf der Gasse unter den
Betteljungen aufgriff, wirklich ein delikates Füllen, schmutzig, jedoch zum
Küssen die Gestalt. Seitdem nun aber die Geliebte sich eingestellt, durfte der
Liebesgott springen; jetzt liegt ihm die aufdringliche Kröte, die sich gar gut
bei dem Handel gestanden, tagtäglich auf dem Hals, und dass der Bursche nicht
schon im Hemdchen unters Haus kommt, ist alles; neulich ward er gar boshaft und
passte der Braut mit einem Prügel auf; recht ein Cupido dirus!«
    »Ein Anteros!« rief Theobald lachend.
    »Suchen Sie doch einiges Verhältnis zu Raymund«, fuhr der Hofrat fort, »es
wird Ihnen leicht werden: er respektiert Sie höchlich, und das will bei dem
stolzen Menschen schon etwas heißen. Sie finden das ehrlichste Blut in ihm und
ein eminentes, leider noch wildes Talent. Es ärgert manches an ihm,
Kleinigkeiten vielleicht, die indessen doch einen Mangel an Bildung verraten,
genug, mich indignieren sie; nur ein Beispiel und Sie werden mir beistimmen. Man
traut mir billig zu, dass ich kein Pedant bin mit archäologischer Vielwisserei,
insofern sie dem Künstler nichts hilft. Stellt mir einer eine lobenswerte
Ariadne hin, so frag ich den Henker danach, ob er wisse, dass die Gemahlin des
Bacchus auch Libera heißt. Macht es einen Mann aber nicht lächerlich, wenn er
von Göttern und Halbgöttern nur eben wie ein Dragoner spricht? Werden es ihm
diejenigen vergeben, die auf den ersten Blick unmöglich wissen können, dass
dieser Mensch, so gut als einer, Charakteristik der Myten versteht und
plastischen Sinn genug in Aug und Fingern sitzen hat? Nun stellen Sie sich vor,
neulich abends im Spanischen Hofe, es waren lauter gründliche Leute da, kommt
auf ein paar Kunstwerke die Rede, Raymund fällt in seinen begeisterten Schuss und
sagt wirklich vortreffliche Dinge, aber er spricht statt von Panen und Satyrn,
mir nichts dir nichts, und in vollem Ernste immer von Waldteufeln! Ist so was
auch erhört? Ich saß wie auf Nadeln, schämte mich in sein Herz hinein, trat ihm
fast die Zehen weg und wollt ihm helfen; nichts da! ein Waldteufel um den
andern! und merkte das Lächeln nicht einmal, das hie
