 Sie wissen, leicht zu entzünden ist, hat mir in der
Geschwindigkeit die ganze Familie aus dem Stegreif ins Lustige rezensiert; ich
wollte, dass es auf dem Papier stünde, um Ihnen selbst bei Ihren Übeln ein
Lächeln abzugewinnen; aber nicht, dass man es ihm schickte. Mein Vorschlag ist
jedoch, ihm unsere Korrespondenz dieser drei Jahre mitzuteilen; da mag er sich
durchlesen, wenn er Mut hat, oder mag kommen, um zu sehen, was er nicht lesen
mag. Ihre Briefe an mich, liebe Tante, sind in der besten Ordnung und stehen
gleich zu Befehl. Dieser Meinung tritt Hersilie nicht bei; sie entschuldigt sich
mit der Unordnung ihrer Papiere u.s.w., wie sie Ihnen selbst sagen wird.
                             Hersilie an die Tante
Ich will und muss sehr kurz sein, liebe Tante, denn der Bote zeigt sich unartig
ungeduldig. Ich finde es eine übermäßige Gutmütigkeit und gar nicht am Platz,
Lenardon unsere Briefe mitzuteilen. Was braucht er zu wissen, was wir Gutes von
ihm gesagt haben, was braucht er zu wissen, was wir Böses von ihm sagten, um aus
dem letzten noch mehr als dem ersten herauszufinden, dass wir ihm gut sind!
Halten Sie ihn kurz, ich bitte Sie. Es ist so was Abgemessenes und Anmassliches
in dieser Forderung, in diesem Betragen, wie es die Herren meistens haben, wenn
sie aus fremden Ländern kommen. Sie halten die daheim Gebliebenen immer nicht
für voll. Entschuldigen Sie sich mit Ihrem Kopfweh. Er wird schon kommen; und
wenn er nicht käme, so warten wir noch ein wenig. Vielleicht fällt es ihm
alsdann ein, auf eine sonderbare, geheime Weise sich bei uns zu introduzieren,
uns unerkannt kennen zu lernen, und was nicht alles in den Plan eines so klugen
Mannes eingreifen könnte. Das müsste doch hübsch und wunderbar sein! das dürfte
allerlei Verhältnisse hervorbringen, die bei einem so diplomatischen Eintritt in
seine Familie, wie er ihn jetzt vorhat, sich unmöglich entwickeln können.
    Der Bote! der Bote! Ziehen Sie Ihre alten Leute besser, oder schicken Sie
junge. Diesem ist weder mit Schmeichelei noch mit Wein beizukommen. Leben Sie
tausendmal wohl!
                           Nachschrift um Nachschrift
Sagen Sie mir, was will der Vetter in seiner Nachschrift mit Valerinen? Diese
Frage ist mir doppelt aufgefallen. Es ist die einzige Person, die er mit Namen
nennt. Wir andern sind ihm Nichten, Tanten, Geschäftsträger; keine Personen,
sondern Rubriken. Valerine, die Tochter unseres Gerichtshalters! Freilich ein
blondes, schönes Kind, das dem Herrn Vetter vor seiner Abreise mag in die Augen
geleuchtet haben. Sie ist verheiratet, gut und glücklich; das brauche ich Ihnen
nicht zu sagen. Aber er
