 will es dir wohl im Vertrauen unter vier Augen offenbaren!« sagte der
Müller. »Wenn es mit einer Gemeinde den Krebsgang geht, so kannst du dich darauf
verlassen, hat sie schlechte Obrigkeit. Und das ist bei uns der Fall. Unsere
Ortsvorgesetzten sind entweder eigennützige Menschen, oder einfältige, schwache
Leute. Zwei von ihnen haben eigene Wirtshäuser, und der Schwiegersohn des
dritten hat auch ein Trinkhaus. Da ist es ihnen eben recht, wenn die Leute
lieber bei ihnen hinterm Tisch, als bei der Arbeit sind. Wird die Gemeinde
versammelt, so ist es bald in diesem, bald im andern Wirtshaus, und da muss am
Ende eins getrunken werden. Haben die Durstigen kein Geld, so wird ihnen
geborgt. Können sie nicht zahlen, so kauft man ihnen ein wohlgelegenes Stück
Land um das andere ab, oder nimmt es für die Schuld an; oder, was die Leute
haben, wird öffentlich versteigert. Dann sind die Bettler fertig. Daher kommt
nach und nach alles liegende Gut in die Hand einzelner reichen Leute. Wer Geld
leihen will, geht zu ihnen und bekommt um doppelten und dreifachen Zins. So
werden die Bedürftigen durch unchristlichen Wucher desto schneller zu Grunde
gerichtet.«
    »Ei, warum borgen die, welche Geld brauchen, nicht lieber das Geld an andern
Orten, oder in der Stadt bei rechtschaffenen Leuten?« rief Oswald.
    »Weil man unserer Gemeinde an andern Orten keinen Kreuzer mehr anvertraut!«
erwiderte der Müller. »Denn weil die Gemeindevorgesetzten bisher die
Geldaufbruchscheine für Bedürftige auf die lüderlichste und leichtsinnigste
Weise ausgestellt haben, sind die, welche Geld darauf liehen, hintenach darum
halb oder ganz betrogen worden. So haben wir durch die Nachlässigkeit der
Vorsteher allen Kredit verloren und alle Hoffnung auf fremde Hilfe. Weil uns
Niemand in der Stadt mehr borgen will, so schimpfen und fluchen unsere Leute
tagtäglich auf die Städter und drohen mit Mord und Brand. Widerführe einmal der
Stadt ein Unglück, so würde das die größte Freude unsers Lumpengesindels sein,
obgleich wir von der Stadt noch viel Verdienst und Almosen haben.«
    »Das ist abscheulich!« schrie Oswald: »Aber wir haben ja noch ein
ordentliches Gemeingut.«
    »Ja, das Gemeingut ist auch verschuldet und wird nur von den Reichen
benutzt!« antwortete der Müller: »Denn wenn die Vorgesetzten ein Geschäft
abtun, einen Umgang an den Marchen und Grenzen halten, eine Holzanweisung
machen, oder sonst etwas extra verrichten: so wird auf Kosten der Gemeinde
geschmauset und gezecht. Damit geht das Vermögen der Gemeinde durch die Gurgel
der Vorsteher. Jeden Gang wollen sie bezahlt haben. Dazu kommt, dass, weil die
Reichen Kühe halten können und die Armen keine, so benutzen sie den
