, verteilt. Den Reichen trifft davon mehr, den Armen
weniger. So wird die Gemeindschuld in eine Partikularschuld verwandelt. Wer auf
diese Art so viel schuldig wird, als er selber zu fordern hat, der streicht
Schuld und Forderung, und ist frei, bekommt und zahlt keinen Zins mehr. Wer mehr
zu fordern hat, als er durch die Einteilung schuldig wird, streicht erst so
viel von seiner Schuld weg, als ihm die Gemeinde selbst schuldig ist, und sagt:
Wer zahlt mir den Überschuss dessen, was mir herausgebührt? - Antwort:
Diejenigen zahlen ihn, die nichts an die Gemeinde geliefert haben im Kriege.
Diese sind als Schuldner an die Zugutaber verteilt, und tragen denselben
entweder die kleine Summe, die sie trifft, gleich baar ab, oder verzinsen solche
zu Vier vom Hundert.«
    So redete Oswald. Viele verstanden es anfangs nicht recht. Da sie aber
einsahn, dass dabei Keiner zu kurz kam, waren sie es sehr zufrieden. Denn die
Reichen, welche am meisten zu fordern hatten, die hatten auch nach Massgabe mehr
an Abtragung der Gemeindsschuld zu zahlen. So blieb für die Aermern weniger zu
entrichten übrig, und Jeder fand die Einrichtung darum billig, weil die
Schatzung der Güter und des Vermögens sehr unparteiisch gemacht war.
    Am Sonntage darauf ward die Gemeinde abermals versammelt, und Oswald redete
also: »Ihr Männer, liebe Mitbürger, es ist uns gelungen, das Geld, was die
Gemeinde schuldig ist, in benachbarten Städten zu geringerm Zins zu erhalten,
also, dass Goldental jährlich nur zweihundert und zwanzig Gulden Zins zu
entrichten hat. Aber es wird manchem Hausvater schwer fallen, den Beitrag zu
diesem Zins zu erschwingen aus seinem Gut. Daher ist es besser, es zahle Keiner
von euch den Zinsbetrag aus seinem Gut!«
    Da erhoben alle Goldentaler ein Gelächter, und sie riefen: »Das lässt sich
hören und gefällt uns über die Massen.«
    Oswald erhob die Stimme und redete weiter: »Ihr Männer, liebe Mitbürger, wir
haben noch ein großes Stück Gemeinweide. Das ist elendes Land, vom Vieh
zertreten, mit alten einzelnen Eichen darauf. Jeder von euch, dem dies Land
gehörte, würde es besser benutzen. Aber wer benutzt es jetzt? - Niemand. Denn
die Reichen, welche viel Vieh haben und es im Sommer darauf weiden lassen, haben
offenbaren Schaden daran. Nicht nur kommen ihre Kühe magerer und hungriger
Abends heim, als sie des Morgens hinausgingen, sondern es geht auch für die
Aecker aller Dünger vom Vieh dabei verloren. Die Armen aber, die keine Kuh
halten können, haben gar keinen Nutzen davon, und müssen ihn den Reichen
überlassen. Ist das billig? Warum sollen reiche Bürger mehr Vorteil
