 Profession schlecht ginge,
und der ihm mütterlicher Seits etwas verwandt wäre.«
    Darauf schlug der Adlerwirt Kreidemann, als zweiter Vorsteher, seinen armen
Vetter, den lahmen Geiger Schluck vor, der um so eher Vorzüge verdiene, weil er,
statt vierzig Gulden zu nehmen, wegen Dürftigkeit der Gemeinde mit
fünfunddreissig zufrieden sein wolle.
    Der Schneider Specht, als er sah, dass sich die meisten Bauern für den Geiger
erklären würden, sagte demselben alle Sünd' und Schande, und erbot sich, mit
dreißig Gulden zufrieden zu sein. Der Geiger ward darüber so erboset, dass er den
Specht einen Dieb und Ehebrecher und meineidigen Schelm hieß, und sich für
fünfundzwanzig Gulden zum Schulmeister antrug. Der Schneider erklärte, den
Geiger wegen seiner Schimpfreden vor Gericht zu ziehen; aber um so geringen Lohn
wolle er nicht schulmeistern.
    Da sich nun weiter zu dem Dienst Niemand meldete, weil sich kein Ehrenmann
zu einer Stelle hergab, die von jeher verachtet und nur von Leuten gesucht war,
die sonst nichts hatten, so war die Gemeinde schon entschlossen, sie dem
Schluck, als einen Nebenverdienst, zu geben. Denn dieser konnte doch notdürftig
schreiben und lesen.
    Aber nun drängte sich Oswald hervor, ward blass und rot im Gesicht und rief:
»Dem Küh- und Säuhirten, der euer Vieh auf die Weide treibt, gebet ihr bessern
Lohn, als dem Schulmeister, der eure Söhne und Töchter in Gottesfurcht und
nützlichen Dingen unterrichten soll! Eure Kinder sind Menschen, geschaffen, ein
Ebenbild Gottes zu sein, aber nicht euer Vieh. Schämet ihr euch nicht der Sünde,
die Ihr tut? - Aber ich weiß gar wohl, der Gemeindsseckel ist immer leer, wenn
für das Nützlichste gesorgt werden soll, und Schulgeld können die armen Leute
nicht zahlen, die kaum Erdäpfel und Brod und Salz haben. So will ich denn ein
Übriges tun, und ich biete euch an, Schulmeister zu werden, und verlange gar
keinen Lohn. Ich sage noch einmal, ich will Schulmeister sein, es soll weder der
Gemeinde noch den Haushaltungen einen Kreuzer kosten!«
    Die Leute sahen sich einander verwundert an und den Oswald. Einige wollten
ihn nicht haben und sagten, er könne oder wolle die armen Seelen der Kinder
vielleicht dem Teufel verkaufen. Aber die Meisten bedachten, dass kein Anderer
den Dienst so wohlfeil übernähme, und lärmten und schrien, Oswald solle
Schulmeister sein. Also wurden die Stimmen abgehört und Oswald wurde zum
Schulmeister erwählt.
    Als dies Elsbeth hörte, wollte sie vor Scham und Bestürzung in die Erde
sinken. Denn im Dorfe war, außer dem Dorfwächter und dem Säuhirten, Keiner
geringer gehalten, als der Schulmeister. Sie rannte ganz außer sich zur Mühle,
als wäre ihr das größte Unglück
