 für Goldental noch
eine goldene Zeit.«
    Wie Oswald so redete, nickten ihm Alle freundlichen Beifall, und Einige
sagten: »Der Oswald hat wohl Recht!«
    Er aber redete weiter und sprach: »Nun ist es nicht mehr so. Man sollte
unser Dorf nicht mehr Goldental nennen, sondern Kot- und Dreck-, Dornen- und
Disteltal. Von unsern Aeckern ist meistens der Segen verschwunden; denn die
Einen von uns haben zu viel Land, die Andern gar keines; die Übrigen können es
nicht in Ordnung anbauen und benutzen. Die Bettelei ist von Vielen nicht mehr
für Schmach gehalten, sondern für einen ordentlichen Beruf und Erwerb angesehen.
Die meisten Haushaltungen sind verschuldet, und eine um die andere sieht den Tag
vor, da ihr Alles versteigert und sie ausgetrieben werden muss. Die Schuldboten
verlassen unser Dorf nie. Mit den benachbarten Orten haben wir Zank und Prozess,
und unter uns selber Feindschaft und Parteien. Wir haben noch den alten
Hochmut, aber nicht mehr das alte Geld; auf den Straßen Kot und in den Häusern
Unflat und Gestank, den meisten Unflat aber im Herzen. Denn hier versteht sich
fast Jedermann besser aufs Saufen, als aufs Arbeiten; besser aufs Borgen, als
aufs Bezahlen; besser aufs Prellen und Stehlen, als aufs Geben; besser auf
Hinterlist, als auf Wahrheit. Wenn das so fortgeht, müssen wir in Elend und
Schande Alle untergehen. Schon haben wir zu Stadt und Land keinen Kredit mehr,
und wenn man Jemand einen Lump heißen will, so sagt man: er ist ein
Goldentaler!«
    Bei diesen Worten des Oswald erhob sich ein großes Gemurmel und Dräuen im
Volk, und jeder sah den Oswald mit finsteren Blicken an; also, dass des Müllers
Elsbeth in große Furcht geriet. Denn sie stand auf einer Bank am Hause und
verwandte kein Auge vom Oswald, der ihr von Herzen lieb war.
    Oswald ließ sich jedoch von dem Gemurre und Gesurre nicht schrecken, sondern
fuhr also fort:
    »Liebe Mitbürger, wenn noch ein Tropfen redlichen und frommen Bluts in euren
Adern wallt, so schlaget Hand in Hand und sprechet: es soll und muss anders
werden! Woher kommt unser Verderben? Dahinten her kommt es, aus den
Wirtshäusern! Da sind eure Ländereien in die Wein- und Bierfässer gefallen, und
eure Kühe von den Spielkarten erschlagen. Da habt ihr das Sparen verlernt und
das Arbeiten vergessen. Armut macht Diebsmut, und Müßiggang ist des Teufels
Ruhebank. Das Geld eurer Väter ist verzehrt, und ihre Sonntagsröcke traget ihr
mit Löchern in den Aermeln. Habet ihr ein paar Kreuzer im Sack, trinket ihr
lustig, und Weib und Kind daheim hungern. Was soll daraus werden? - Ich frage
die Vorgesetzten
