, ich werde
nicht so fromm und gottesfürchtig bleiben, als sie mich hergeschickt habe.
    Da sei sie aber nur ganz außer Sorge, herzliebste Mutter! Es ist ja nicht
mit mir, wie mit einigen andern unglücklichen Leuten, die nur fromm und
gottesfürchtig aus Zwang sind. Ich bin es ja, weil ich meine Freude daran habe,
und ist mir ja Alles zuwider, was mich daran hindern kann. Es betrübt mich aber
recht inniglich, dass sie nur daran zweifeln und sogar glauben kann, ich würde
ganz anders werden. Ach bilde sie sich so was nicht ein, herzliebste Mutter! Ich
hab's ihr ja schon gesagt, sie soll gewiss Freude an mir erleben, und ich wäre
auch nicht zum Fürsten gegangen, wenn sie es mir verboten hätte. Aber der Herr
Vetter und die Frau Präsidentin sagen: sie habe es mir nicht verboten, und die
verstehen ja doch ihren Brief besser als ich, wenn ich ihn auch noch so oft
lese.
    Der Fürst ist zwar wohl manchmal ein wenig hastig und sonderbar; aber doch
sonst ein sehr braver Herr. Ich fürchte mich darum auch gar nicht mehr, und sage
Alles, wie ich es denke. Es freut ihn gar herzlich, das kann ich sehen, und
wenn er manchmal noch so verdrießlich ist - er mag auch wohl seine Not haben -
wird er doch immer heiter, wenn ich komme.
    Sehr gut ist's, dass der Herr Vetter einen Garten hat; sonst wüsste ich nicht,
was ich dem Fürsten bringen sollte. So aber gibts immer Blumen und Früchte, und
der Fürst versichert, es seien die schönsten und wohlschmeckendsten, die er in
seinem Leben gesehen und gegessen habe, und die auf seiner Tafel werden ihm ganz
zum Eckel.
    Wie das nun zugeht, kann ich nicht begreifen. Wenn andere Leute Gastereien
geben, suchen sie doch immer Blumen und Früchte vom Hofgärtner zu bekommen, und
müssen also wohl wissen, dass es die schönsten sind. Doch was soll man mit
solchen großen Herren anfangen? Man muss nur schweigen, und es so hingehen
lassen.
    Liebstes Gretchen! - sagte er letzt, als ich eben den Korb vor ihn
hinstellte - du bringst mir nun alle Tage so viel Schönes, ja das Schönste, was
ich sehe; denkst du dann aber niemals daran, dass ich dir auch etwas dafür geben
muss?
    Ach, gnädigster Herr! - antwortete ich - ich bin nur froh, dass ich immer
etwas zu bringen habe, und der Tag geht so schnell hin, und ich habe an so viel
andere Sachen zu denken, dass mir das noch gar nicht eingefallen ist.
    So! - antwortete er sehr ernstaft, stand schnell auf, und ging
