 auch Seide dabei
spinnen - davontragen, wird mich als Seladon eher verlassen als ergreifen, weil
ich so lange die lungengefährliche Flöte einstecke, als ich auf den Knien liege
und spreche. Ich bin dir aber wirklich sehr gut, Wina, zumal da deine Singstimme
so kanonisch ist und so rein! - Aber ich will denn mein heutiges Tagebuch über
den Bruder anheben...«
                    Nachtrag zu Nr. 56. Der fliegende Hering
Das Vorstehende war zur Testaments-Exekution abgeschickt, als ich es von
derselben - dem trefflichen Kuhnold - mit diesem Briefe wieder bekam:
»Verehrtester Herr Legationsrat! Ich glaube nicht, dass die van der Kabelschen
Erben das bloße Einheften der zugefertigten Dokumente, wie das Vultische
Tagebuch ist, für eine hinlängliche Erfüllung der biographischen Bedingungen,
unter welchen Ihnen das Naturalienkabinett testieret worden, nehmen werden. Und
ich selber bin, gesteh' ich, mit den Vorteilen meines Geschmacks zu sehr dabei
interessiert, als dass es mir gleichgültig sein sollte, Sie durch Vult verdrängt
zu sehen. Ihr Feuer, Ihr Stil etc. etc. - - huldigen49. -
    Dazu steht noch vieles andere dagegen. Es kommen im Verfolge des Vultischen
Tagebuchs - zumal im Februar, wo er in vollen Flammen tobt - Stellen vor, deren
Zynismus schwerlich durch den Humor, weder vor dem poetischen noch sittlichen
Richterstuhle, zu entschuldigen steht. Z.B. die am 4ten Februar, wo er sagt: das
junge Leben als eine Sonne verschlingend verdauen und es als einen Mond kacken.
- Oder da, wo er dem dezenten Bruder, um ihn zu ärgern, erzählt, wie er, da er
kein Wasser um sich gehabt, um es ins vertrocknete Tintenfass zu gießen, sich
doch so geholfen, dass er eintunken konnte, um sein Paket Briefe, seinen
Briefbeutel, zu schreiben. Das zweite mag eher hingehen, dass er, wenn er mit
vielen Oblaten Pakete gesiegelt und doch keine Siegelpresse und keine Zeit,
sondern zu viele Arbeit gehabt, sich bloß eine Zeitlang darauf gesetzt, um
andere Sachen zu machen unter dem Siegeln. Es sind überhaupt, Verehrtester, in
unserer Biographie so manche Anstössigkeiten gegen den laufenden Geschmack - vom
Titel an bis zu den Überschriften der meisten Kapitel -, dass man ihn wohl mehr
zu versöhnen als zu erbittern suchen muss.
    Noch einen Grund erlauben Sie mir, da er der letzte ist. Unsere Biographie
soll doch, der Sache, der Kunst, der Schicklichkeit und dem Testamente gemäß,
mehr zu einem historischen Roman als zu einem nackten Lebenslauf ausschlagen; so
dass uns nichts Verdrüsslicheres begegnen könnte, als wenn man wirklich merkte,
alles sei wahr. Werden wir aber dieses verhüten - verzeihen Sie mein unhöfliches
Wir - wenn wir bloß die Namen verändern
